15 Jahre T-Aktie – ein Bärendienst für die Aktienkultur in Deutschland?

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Am 18. November 1996 feierte die T-Aktie ihr Börsendebüt in Frankfurt und läutete damit eine kurze Periode der Aktienkultur in Deutschland ein. Mit dem Platzen der Internetblase im Jahr 2001 verschwanden auch viele Aktienneulinge wieder. Die Zahl der Aktienbesitzer geht seither mehr oder minder deutlich zurück. Angesichts von 15 Jahren T-Aktie kann man also durchaus von anderthalb „verlorenen“ Jahrzehnten für die Aktienkultur in Deutschland sprechen.

Die Frage nach dem Bärendienst stellt sich insofern, als dass mit Einführung der T-Aktie durch eine Millionen-teure Werbekampagne – laut Spiegel (48/1996) wurden insgesamt „250 Millionen Mark (brutto)“ 1996 ausgegeben, „davon 96 Millionen direkt für den Börsenstart.“ – die Aktie als neue Anlageform en Vogue kam und die Zahl der Aktionäre von 3,75 Millionen im Jahr 1996 auf 4,51 Millionen zwei Jahre später anstieg. In den Folgejahren erhöhte sich die Zahl der Aktionäre in Deutschland bis auf den Spitzenwert von 6,21 Millionen im Jahr 2001. Unter Einbeziehung der Fondsbesitzer stieg die Zahl von 5,6 Millionen im Jahr 1997 bis auf 12,85 Millionen im Jahr 2001. Seither geht die Zahl der Aktionäre und Fondsbesitzer wieder zurück, wie die folgende Grafik zeigt:


Grafik erstellt nach Zahlen vom Deutsches Aktieninstitut.

Schaut man nun auf die reine Aktionärszahlen könnte man zu dem Schluss gelangen: Nach dem Ausrutscher in der New Economy-Phase gings eben wieder auf Normalmaß und Werte aus den 80er Jahren zurück. Aber ist das erstrebenswert? In meinem Loblied auf die Aktie schrieb ich Anfang des Jahres in Bezug auf die 2010er Statistik:

Die Zahl über die rückläufige Aktionärsquote macht deutlich, wie wenig Ahnung die Deutschen insgesamt von Geldanlage haben. Das Sparbuch und Tagesgeld wird immer noch als sicheres Allheilmittel gesehen und das bei Zinsen unterhalb der Inflationsrate. Sicherheit geht vielen offenbar noch immer über Rendite. Alles in allem ist das Verhalten der Bürger einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt schon seltsam. Da beruft man sich auf die Soziale Marktwirtschaft und die Teilhabe der Menschen an der Wirtschaft. Man ist stolz auf die Erfolge der deutschen Konzerne und dennoch sind die meisten Unternehmensstars inzwischen in fremder Hand. Fremde Staatsfonds und „Heuschrecken“ aus Übersee verbreiten Angst und Schrecken und bei Übernahmeangeboten wie jüngst bei Hochtief ist der Aufschrei groß. Doch wenn keine deutschen Aktionäre mehr an Bord sind, braucht sich niemand zu wundern, dass die Bindungswirkung der Aktionäre aus dem Ausland gegen Null geht. Selbst Belegschaftsaktien finden nicht den Anklang.

[ad#Google Adsense L-rechts]Ein Blick auf die aktuelle Statistik zeigt: Selbst reine Belegschaftsaktionäre werden immer weniger: Von einem Höchstwert von fast 1,3 Millionen im Jahr 1998 (Daran dürften Telekom-Angehörige nicht unwesentlich Anteil gehabt haben) ging es zurück bis auf rund 691.000 im ersten Halbjahr 2011. Alles in allem sieht man: Deutsche Aktiengesellschaften haben noch viel Potential bei ihren Angestellten und auf der anderen Seite haben viele Geldanleger noch Potential in Sachen Aktien. Auch und gerade im Hinblick auf die aktuelle Krise bleiben Aktien ohne Alternative – der immer wahrscheinlich werdende Inflationsanstieg lässt grüßen. Und politische Börsen dauern nicht ewig.

Doch zurück zur Telekom und ihrer Aktie. Einstiege Rekordkurse dürften auf absehbare Zeit nicht mehr zu sehen sein. Telekom-Aktien generell sind angesichts von Web 2.0 zu soliden, aber wenig attraktiven Papieren geworden. Dennoch verfügen sie meist über ein krisensicheres Geschäft. An meiner Einschätzung der T-Aktie vom September als vergessener Schatz für Dividendenfans hat sich nichts geändert. Auf dem aktuellen Kursniveau von rund 9,30 Euro wird die Aktie mit einem KGV von 15 bewertet. Dagegen liegt die Dividendenrendite noch immer bei stolzen 7,6 Prozent und die Auszahlung dürfte angesichts des stabilen Cashflows auch kein Problem sein. Damit rentiert sich die T-Aktie zwar nur leicht besser als italienische Staatsanleihen, aber ich persönlich würde eher auf die T-Dividende setzen, denn auf die dauerhafte Zahlungswilligkeit in Rom.


5 KOMMENTARE

  1. Hallo Marc,

    guter Artikel, interessante Zahlen. Würdest Du also zustimmen, dass die Riesen-Werbekampagnen zur T-Aktie der hiesigen Aktienkultur einen Bärendienst erwiesen haben?

    Und: Was müsste geschehen, damit hier noch so was wie eine Aktien- oder Aktienfonds-Kultur entsteht?

    Eine neue Blase wäre ja auch keine wirklich nachhaltige Maßnahme, fürchte ich. 😉

    Viele Grüße
    Holger

  2. Hallo Holger,
    der Bärendienst lässt sich doch m.E. eindeutig aus den Zahlen ablesen, oder?
    Wenn die Menschen verstehen würden, dass es besser ist ihr Geld direkt in selbst ausgesuchte Unternehmen zu stecken, statt in die Blackbox Bank zu geben, dann wäre auch das Thema Aktienkultur kein hoffnungsloser Fall mehr.
    Viele Grüße
    Marc

    P.S. Blasen sind nie schön, aber wohl unvermeidlich.

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