Ich kann mich nur noch wundern – wir schauen alle in den Abgrund, wollen es aber nicht wahrhaben…

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Es ist kurz nach 10.00h in Deutschland (keine Angst ich bringe jetzt nicht die alte Knoppers-Werbung…) und der DAX traut sich nicht. Besser gesagt, wir Anleger nicht. Alle schauen nach Brüssel. Und warten. Auf was eigentlich?

Glauben wir wirklich, dass es heute zu bahnbrechenden Lösungen kommt, die den DAX in den nächsten Monaten wieder in Richtung 7000 und mehr treiben? Ich persönlich glaube nicht daran. Und an dieser Stelle auch gesagt: Der Spruch “die Hausse wird im Pessimismus geboren” passt auch nicht. Dafür ist die Situation zu ernst. Wir sprechen schließlich von einer Summe, die meine Generation und die meiner Tochter Emma bitter zu bezahlen haben. Die Themen Bildung und Vorsorge werden in Deutschland in den kommenden Jahren spannend werden. Aber hey – es lebe Europa!

Es ist auch schon sehr erstaunlich (oder auch nicht?), dass genau jetzt sehr viele nackte Fakten per Pressemitteilungen bei uns als Journalisten reindrudeln. Aber auch interessante Sachen. Beispielsweise das neue "Atradius Zahlungsmoralbarometer". Darin steht:

Die anhaltende Euro-Schuldenkrise schlägt sich erstmals auch deutlich in der Zahlungsmoral nieder. Griechische Unternehmen begleichen ihre Rechnungen im Durchschnitt erst nach 92 Tagen. Damit zahlen sie 15 Tage nach dem vereinbarten Zahlungsziel von 77 Tagen. Sechs Prozent der griechischen Forderungen konnten nur noch als Totalausfall verbucht werden. Auf Platz zwei der schwächsten Zahler landet Spanien mit einer Zahlungsdauer von 87 Tagen bei einem großzügigen Zahlungsziel von 74 Tagen.

Und weiter:

Eine weitere Verschärfung der Euro-Krise würde in den von der Schuldenkrise besonders betroffenen Ländern Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien zu einer noch restriktiveren Kreditvergabe der lokalen Banken und damit zu einer weiteren Verschlechterung der Zahlungsmoral in diesen Märkten führen.

Ich will hier keine Politik machen, aber langsam fühle ich mich in diesem Europa verxxxx.

Vor gut zwei Jahren machte ich mit Norbert Walter (Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank") ein Interview und der sagte mir damals auf die Frage: Die Finanzkrise und auch die Euro-Krise sind also keine spezielle, sondern eine Krise wie jede andere auch?

Seine Antwort damals:
Nein, denn die Euro-Krise hat einen institutionell spezifischen Hintergrund. Da haben sich in Europa teilweise auch Länder mittlerer Größenordnung eine gemeinsame Währung angelacht, die sie nun umgesetzt haben und die auch dank einer qualifizierten Institution wie der EZB eine respektable Währung geworden ist. Diese Währung bedeutet aber ein Korsett und von der noch nicht alle begriffen haben, dass es ein Korsett ist. Wenn das im Währungsraum einer versteht und darauf reagiert, ein anderer es aber nicht tut, dann ist das natürlich von gravierender Bedeutung. Wenn Spanien ebenso altert wie Deutschland, die Deutschen die Lebensarbeitszeit verlängern und in mittelständischen Betrieben eine Flexibilisierung von Arbeitszeit erreichen, ist das ein Wettbewerbsvorteil. Nehmen Sie den deutschen Maschinenbau. Im Vergleich zu europäischen Wettbewerbern verfügt dieser über günstige Kostenstrukturen und Know-how, weil dieser ganz viele gut ausgebildete Ingenieure, die jetzt 50 Plus sind, hervorragend einsetzen kann, während andere Wettbewerber diese nur noch als Pensionäre haben. Die Folge: Institutioneller Unterschiede. Das haben die Griechen erfahren müssen. Und das, was in Deutschland passiert ist, ist nicht nur mikroökonomisch geschehen. Das sind nicht nur die kleinen engagierten, wirklich flexiblen Schnellboote der KMUs. Das sind auch die großen Fregatten, die familiengeführten und börsennotierten Unternehmen, welche die richtige Politik in mehreren solcher Felder, auch durch Outsourcing, aber auch eben durch Anpassung der Arbeitszeitregelungen umgesetzt haben.

Ja, und in Italien können sie die Rente mit 67 nicht einführen, weil man das der Bevölkerung nicht zutrauen kann… Jepp – da habe ich Verständnis dafür.

Aber warum auch die Probleme in der EU gemeinsam anpacken? Sorry Leute, ich bin wahrlich kein FDPler aber ich teile ganz klar die Meinung mit den „Abweichlern“ der Liberalen, die einen Rausschmiss Griechenlands aus der Euro-Zone fordern. Wir haben einmal das Leistungsprinzip auserkoren – nur für wen? Für Deutschland und Frankreich (ja wir haben auch gegen die Richtlinien verstoßen, können aber immerhin unsere Beamten noch monatlich ohne Außenhilfe bezahlen..), die immer mehr in irgendwelche löchrigen Schirme zahlen? Auf Kosten unserer eigenen Infrastruktur?

Man kann sich nur wundern, wie wir uns als größtes Land in der EU wieder einmal um den eigenen Lohn bringen. Natürlich sind wir ein Profiteur des Euro. Aber der geht wahrlich auch ohne Griechenland. Es wäre vielmehr ein Zeichen der Stärke und der politischen Konsequenz, wenn Griechenland endlich die rote Karte bekommen würde. Wer leiht seinem Nachbarn, der schon vor dem Gericht einen Offenbarungseid geleistet hat und dessen Haus bereits der Bank gehört, noch einmal ein paar tausend Euro? Nur weil man mit dem immer so schön Bier im Sommer zusammen getrunken hat? Keiner! Aber wir in Europa machen das!

Ich bin ein Europa-Verfechter, und auch ein Befürworter des Euro. Aber nicht so. So machen wir alles auf Jahrzehnte kaputt, was seit der deutschen Einheit in Europa geschaffen wurde. Und das vielleicht alles nur, weil eine Frau Bundeskanzlerin nicht ihr Gesicht verlieren will (an dieser Stelle gesagt: Nein, ich bin nicht SPD- oder Grünen-Mitglied).

Bitte Deutschland, wach auf. Besser gesagt – Ihr Politiker, die von uns als Volk gewählt worden seid, wacht auf! Die BILD-Umfragen sind sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss – aber wenn wir innerhalb Deutschlands und seinen Bundesländern eine „Schuldenbremse“ in die jeweiligen Landesverfassungen einbauen und auf der anderen Seite für andere Europäer Milliarden ausgeben, die mal geschwind auf ihre Rente mit 50, 47, oder sonst einem dynamischen Alter nicht verzichten wollen – dann ist was falsch!

Und das ist wahrlich kein Populismus. Ich zahle gerne Steuern, wenn ich weiß, das diese für Bildung, den Kindergartenplatz meiner Tochter, für sichere Straßen und Nachhaltigkeit ausgegeben werden. Aber bitte nicht für irgendwelche Länder, die sich den aktuellen hohen Standard, den sie haben, nur mit Kredit erkauft haben. Doch wie sagte schon mein Großvater zu mir: Jeder wie er kann. Manche können wohl nicht anders. Auch die Angie und ihre ganze Bundesregierung…


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