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Kleine Presseschau vom 12. Oktober 2011

Interessantes zum Marktumfeld und aus der Wirtschaft

Handelsblatt: Herbstgutachten: Deutschland kommt knapp an der Rezession vorbei

egghat’s not so micro blog: Troika verreisst Griechenlands Ergebnisse!

Handelszeitung: Radicova gescheitert – Nein der Slowakei zum Rettungsschirm

FTD: S&P und Fitch stufen südeuropäische Banken herab

Handelsblatt: (Nicht-)Interview mit BNP-Chef Prout: „Können Sie nachts noch ruhig schlafen?“

FAZ: „Blitz-Stresstest“ Staaten erhöhen Druck auf Banken zur Kapitalaufnahme

Gaertner’s Blog: R.I.P. – Obamas Jobprogramm

WirtschaftsBlatt: Threadneedle-Expertin Ann Steele: „Die Leute verstehen das Schuldenausmaß nicht“

Wiesaussieht: Ökonomen als Staatsbesetzer

Handelsblatt: Offener Brief: Soros bringt die Elite gegen Finanzkrise in Stellung

Kantoos Economics: Nobelpreis – eine scheinbar schwierige Wahl für die deutsche Presse

Wirtschaftsphilosoph: Sollte der Wirtschaftsnobelpreis abgeschafft werden?

Olaf Storbeck: Die ökonomische Rocky Horror Picture Show

Hartmut Kliemt: Die Macht des Geldes?

Hans G. Linder: Bringen die Quartalszahlen die Jahresendrallye in Fahrt?

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Der Aktionär: Henkel: Gut gefüllte Kassen für Zukäufe

ARD-Börse: Phoenix Solar mit bitterer Nachricht

Investors Inside: Phoenix Solar reißt Solarworld, SMA, Wacker, Centrotherm & Co. nach unten

ARD-Börse: Alcoa verpatzt den Auftakt der Berichtssaison

FAZ: Zahlen mindern bei Alcoa Chancen auf eine schnelle Kurserholung

Handelsblatt: Hewlett Packard will PC-Sparte vielleicht doch behalten

Hankes Börsen Bibliothek: Jürgen Müller: “2027 ist das Peak bei der Goldförderung erreicht”

Rott & Meyer: Silber: Auf einem Bein steht sich`s schlecht?


1 Kommentar zu Kleine Presseschau vom 12. Oktober 2011

  1. Sandro Valecchi // 12. Oktober 2011 um 16:47 //

    Barroso, Banken und Bewertungen: das EU-Drama 2011

    Im Visier der Ratingagenturen befinden sich derzeit die Banken in der Euro-Zone und um beide ist es aktuell nicht zum Besten bestellt. Die Euro-Zone strauchelt, insbesondere nach dem Nein für den Eurorettungsschirm aus Tschechien. Bereits im Jahr 2009 sorgte der Sturz von Tschechiens Premier Topolanek für Aufsehen: Noch nie wurde ein EU-Ratspräsident im eigenen Land über Nacht zu Fall gebracht und es wurde das Ende des Reformvertrags von Lissabon, den Tschechien seinerzeit noch ratifizieren musste, prognostiziert. Aber auch die Banken kommen ins Trudeln, nachdem sich die großen Ratingagenturen, aktuell (S&P), mit den europäischen Banken befasst und Ihre Einschätzungen abgegeben haben. Es sieht insgesamt nicht gut aus, die Tendenz geht in Richtung schwacher Ausblick und Absenkung der Bonitätsnote. Betroffen von einer Herabstufung sind 10 Institute spanischer Banken. Zur Begründung wurde ausdrücklich auch die Anfälligkeit der Banken für Kapitalflüsse genannt. „Damit steht zugleich die Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand“, erklärt Analyst Sandro Valecchi. Bei den erst im Monat Juli 2011 durchgeführten Stresstests in der Euro-Zone für insgesamt 90 europäische Banken sah es zunächst – zumindest auf den ersten Blick – nicht so dramatisch aus. In einer ersten Analyse waren 8 Kreditinstitute glatt durchgefallen und eine deutsche Bank entzog sich dem Test durch freiwilliges, vorzeitiges Ausscheiden. Nach der Finanzkrise hatten die europäischen Bankenaufseher 2010 erstmals einen Test dieser Art gemacht. Ziel war es, Aufschluss über die Widerstandskraft der Kreditinstitute zu gewinnen. Die Aufseher entwickelten dafür Krisenszenarien, die die Banken durchrechnen mussten. Geprüft wurde dabei insbesondere, ob sie genug Kapitalpuffer haben, wenn sich die Lage der Wirtschaft deutlich verschlechtern sollte und die Finanzmärkte auf Talfahrt gehen. „Aktuell bestehen wieder derartige Befürchtungen aufgrund der andauernden Krisensituationen an allen internationalen Märkten“, kommentiert Herr Valecchi.

    Der Stresstest für die europäischen Banken sollte beruhigen. 8 Banken sind beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht an der Hürde von 5 % Kernkapital im düstersten Szenario gescheitert. Ihnen fehlen insgesamt 2,5 Mrd. Euro und ihr Kernkapital sinkt in einem simulierten Krisenfall zu stark, um einen Zusammenbruch der Bank sicher zu vermeiden. Dann müsste der Staat mit Garantien, Bürgschaften oder Kapitalspritzen wieder eingreifen, exakt in der Art und Weise, wie es im Rahmen des Zusammenbruchs des Interbankenhandels im Jahr 2008 notwendig wurde.

    Bereits am 07.10.2011 hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit von Spanien und Italien herabgestuft. Für die Bonität Italiens bedeutet dies nun die Note „A+“ und weiterhin erhöhte Zinslasten, für Spanien geht es um die Bonitätsnote „AA-“ und einen Blick in eine sorgenvolle Zukunft. In Sorge darum drängt die Europäische Zentralbank (EZB) die Euro-Zone „an allen Fronten zu entschlossenem Handeln.“ IWF-Chefin Lagarde äußerte sich bereits besorgt über die Lage der Banken: Die Entwicklung dieser Situation gehe „Schritt für Schritt“ in Richtung der dramatischen Finanzkrise von 2008. „Das Hauptproblem in Europa ist Liquidität“, sagte der belgische Notenbankchef Coene. „Die Banken haben wieder Vertrauen verloren und leihen einander weniger. Die Lage ist nicht so schlimm wie 2008/09, aber man kann sehen, dass sich das Ganze Stück für Stück in diese Richtung bewegt.“ Der IWF hat zuletzt vor einem riesigen Kapitalloch bei europäischen Instituten gewarnt und schätzt den Bedarf der Branche bei einer weiteren Verschärfung der Schuldenkrise auf bis zu 200 Milliarden Euro. Politik und Banken wiesen die Berechnung scharf zurück. Sie habe große methodische Schwächen und löse unnötig Unsicherheit aus. Coene begründete seine Sorge mit weiter offenen Fragen zur Rettung Griechenlands vor einem Bankrott, der zahlreichen europäischen Banken zwangsläufig Verluste bescheren würde.

    Die EZB mahnte bereits seit Wochen eine bessere Koordination der Wirtschafts- und Finanzpolitik der 17 Staaten der Euro-Zone an. Trichet forderte zudem Italien auf, sein Defizit zu senken und die Flexibilität der Wirtschaft zu vergrößern. Der angekündigte Ausgleich des Haushalts bis 2013 sei „extrem wichtig“.

    „Die Situation ist kritisch, denn mit Italien und Spanien sind die dritt- beziehungsweise viertgrößte Volkswirtschaft in der Euro-Zone unmittelbar betroffen“, konstatiert Analyst Sandro Valecchi. Erschwerend kommt hinzu, dass der prognostizierte Ausblick negativ eingeschätzt werde, was eine weitere Herabstufung in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich macht. Die Ratingagentur Fitch begründete ihre Entscheidungen mit Risiken infolge der Schuldenkrise im Euroraum.

    Zwar stehe der EU-Währungsraum nach Einschätzung des EZB-Präsidenten als Ganzes fiskalisch besser da, als andere Volkswirtschaften. Mittlerweile bewerten Privatanleger die Schuldenkrise als größtes Risiko für ihr Engagement am Kapitalmarkt in der Euro-Zone. Zu groß ist das Misstrauen als Folge der Glaubwürdigkeitskrise angewachsen, fast jeder zweite EU-Bürger schließt aktuell ein Zusammenbrechen des Euro und damit der EU-Währungszone nicht mehr aus. Dies wird zudem noch verstärkt durch die Furcht vor einer globalen Rezession. „Damit befinden wir uns mittlerweile in einer großen Glaubwürdigkeitskrise“, meint Analyst Sandro Valecchi.

    Die Frage ist daher berechtigt, wie die Glaubwürdigkeitskrise innerhalb der Euro-Zone wieder überwunden werden kann. „Wir haben nicht vor, irgendeine Variante einer öffentlichen-rechtlichen Rating-Agentur aufzubauen“, verlautbarte EU-Präsident José Manuel Barroso am 06.09.2011 und positionierte sich damit außerhalb der Meinungsblogs in Europa, die den Aufbau einer großen, öffentlich-rechtlich begleiteten Rating-Agentur vehement einfordern, um Stabilität und Vertrauen in die internationalen Finanzmärkte wieder herzustellen. „Es geht um die Wiederherstellung der Berechenbarkeit der Märkte“, sagt Analyst Sandro Valecchi.

    Wird das Problem also verkannt oder nichts ernst genug genommen? Die Bankenaufsicht sollte nach den Worten von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso angesichts der Euro-Schuldenkrise „vorübergehend“ eine deutlich höhere Eigenkapitalausstattung von den Geldhäusern verlangen. Die Lage der Banken müsse von den Aufsehern neu bewertet werden, erklärte heute Barroso. Auf Basis dessen müssten sich die EU-Staaten dabei abstimmen, die Banken zu stärken. Barroso ist nicht unumstritten. Eine immer wieder eingeforderte große, europäische Rating-Agentur scheitert bisher am mangelnden politischen Willen: „Die EU-Kommission will sich nach den Worten ihres nicht am Aufbau einer europäischen Ratingagentur beteiligen“, allerdings bewertet Barroso die Rolle großen Rating-Agenturen zumindest als „kritisch.“ Es gebe jedoch sehr wohl Fragen zu der Rolle, die die Rating-Agenturen in der weltweiten Finanzkrise gespielt hätten.

    Barroso ist kein Krisenmanager. Seine Amtszeit ist geprägt von der Krise um die Staatsverschuldung und der mangelnden Haushaltsdisziplin in der EU, insbesondere der sogenannten PIIGS-Staaten. Im Zuge dessen beschloss im Mai 2010 der Europäische Rat den Euro-Rettungsschirm und unterzeichnete im Juli 2011 den noch zu ratifizierenden Europäischen Stabilisierungsmechanismus. Kritische Hinterfragungen in Medien nach seiner Haltung zu den Vertragsbrüchen der EZB und der EU hinsichtlich der Aufkäufe von Staatsanleihen insolvenzgefährdeter Staaten und der finanziellen Hilfe in Zusammenhang mit seiner früheren Verantwortung für Portugals Finanzen bezeichnet Barroso als „Rufschädigung“ und „fehlerhafte Kommentare.“ Die Überforderung von Barroso in dieser kritischen Situation in Europa ist offensichtlich. „Mit Barroso wird sich die Glaubwürdigkeitskrise nicht überwinden lassen“, sagt Analyst Sandro Valecchi: „Es geht daher mittlerweile nicht einfach nur darum, dass beim letzten Stresstest für Banken fünf spanische Banken, zwei griechische Häuser und ein österreichisches Institut durchgefallen sind.“

    Nach den dramatischen Pleiten im Bankensektor in der jüngsten Vergangenheit (Stichwort: Lehman-Brothers; Kaupthing-Pleite und jetzt der Zusammenbruch der Dexia Großbank) reagieren viele Anleger und Kunden zunehmend verunsichert. In Deutschland fühlt man sich unwillkürlich an das Drama um die Verstaatlichung der Überschuldeten Hypo-Real-Estate erinnert. Auch die Banken in Deutschland kämpfen um ihre Glaubwürdigkeit und werben um Vertrauen. Zur Erinnerung: Von den deutschen Landesbanken schafften beim Stresstest der Banken die Mindestanforderung – die harte Kernkapitalquote – von 5 % nur knapp die beiden deutschen Landesbanken HSH Nordbank und NordLB. Die HSH Nordbank übersprang die geforderte Hürde von 5 % hartem Kernkapital in einem Rezessions- Szenario mit 5,5 %, die NordLB erreichte 5,6 %. Die beiden Häuser müssen so wie die 14 weiteren Wackelkandidaten ihre Kapitalpuffer erhöhen. Sie haben bereits Maßnahmen angekündigt, wie sie ihre Kapitalausstattung verbessern wollen. Die Landesbank Helaba hatte eine Teilnahme am Stresstest im Streit mit der europäischen Banken-Aufsichtsbehörde EBA über die Kriterien nachträglich verweigert. Sie wäre in der Belastungsprobe nach den Maßstäben der EBA glatt durchgefallen!

    „Ohne Überwindung der Glaubwürdigkeitskrise wird der Euro kaum noch zu retten sein“, meint Analyst Sandro Valecchi.

    V.i.S.d.R.
    Sandro Valecchi, Analyst
    10555 Berlin

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