Wenn die zittrigen Hände verkaufen…

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Das zu Ende gegangene dritte Quartal war für die meisten Aktienmärkte das schlechteste seit der Baisse 2000/2003. Unsere 18 Hauptmärkte kamen im Schnitt um –20,5% zurück, während Dax, MDax und TecDax in den vergangenen drei Monaten sogar zwischen –24% und –26% verloren. Und es könnte noch schlimmer kommen. Der Abgabedruck ist noch nicht vorbei, denn vor allem Aktienfonds dürften in den kommenden Wochen zu den großen Verkäufern gehören.

Laut Statistik des Fonds-Verbands BVI floss der Branche noch im Juli frisches Kapital in Höhe von 4,1 Milliarden Euro zu – kurz bevor die Weltbörsen kräftig einbrachen. Erneut zeigte sich damit das prozyklische Anlageverhalten der Fonds-Anleger. Denn schon zum Dax-Gipfel 2000 kauften Fondsinvestoren zu Top-Kursen in Milliardenhöhen neue Anteile. In den folgenden drei Baisse-Jahren trennten sie sich dann von ihren Investments und verstärkten damit den Abwärtstrend an den Börsen. Diese zyklischen Fondsinvestments halfen dem heimischen Leitindex allerdings auch ab Frühjahr 2009 kräftig nach oben. So sammelten deutsche Aktienfonds in den Jahren 2009 und 2010 für 24,5 Milliarden Euro neues Kapital ein – soviel, wie seit Anfang des Jahrtausends nicht mehr.

Jetzt könnte es zu einem anderen, typischen Anlegerverhalten kommen: dem „Einstands-Effekt“. Nachdem es mit den Kursen seit Monaten steil bergab ging, ist beispielsweise der Dax wieder auf dem Niveau vom Sommer 2009 angekommen. Fondsanleger, die damals eingestiegen waren und zwischenzeitlich ordentliche Gewinne verzeichneten, stehen damit wieder bei Null und dürften sich bei zunehmenden Verlusten von ihren Anteilen trennen. Wenn die Fonds-Gesellschaften dann ihrerseits Aktien verkaufen müssen, um ihre Anleger auszahlen zu können, wird das erneut kräftig auf die Kurse von Dax & Co. drücken.

Diesen allgemeinen Abwärtsstrudel hat uns die 200-Tage-Linie bereits am 10. Juli signalisiert. Damals war der durchschnittliche Abstand unserer 18 Hauptmärkte zum GD200 erstmals seit Monaten wieder negativ. Seitdem wurde dieser Wert auf –17,5 % ausgebaut. Unsere Index-Empfehlungen wiesen Mitte Juli eine durchschnittliche Performance von 17% auf. Seitdem haben wir die Short-Investments kräftig aufgestockt, sodass die Baisse-Positionen im Indexbereich mittlerweile mit +46% im Gewinn liegen.

Aufgrund der enormen Abwärtstrend-Stärke unserer 18 Hauptmärkte halten wir an unserer Baisse-Strategie fest. Zumal etliche Indizes vor wichtigen, technischen Marken stehen, nach deren Unterschreitung der Sinkflug weiter an Dynamik gewinnen dürfte.

Stand 06.10.2011/ ein Gastkommentar von Johannes Scherer

Johannes Scherer ist Trendbrief-Chefredakteur und unterstützt Sie täglich mit konkreten Empfehlungen zu den lukrativsten Trends in Aktien, Indizes, Devisen, Zinsen sowie Rohstoffen. Der Trendbrief erscheint mittlerweile im 24. Jahrgang und ist heute der maßgebliche Börsenbrief für Trends & Tradings. Profitieren Sie jetzt 14 Tage von allen Empfehlungen völlig kostenlos!


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1 KOMMENTAR

  1. Ich sehe das ähnlich. Und um bei den zittrigen Händen und Kostolany zu bleiben, … er beschreibt drei Abwärtsphasen. Und ich glaube nicht, dass wir die dritte Phase der Abwärtsbewegung, dass heißt die Übertreibung nach unten schon gesehen haben.

    Die Stimmung unter den Marktteilnehmern ist in meinen Augen immer noch zu positiv. Es haben noch nicht alle zittrigen Hände verkauft. Wenn ich mir die Foren im Internet angucke, sind viele gleich wieder eingestiegen und hoffen nun auf eine kräftige Gegenbewegung.

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