Marnette macht Fehler bei HSH Nordbank öffentlich: „Das ist ein Wahnsystem“

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Dass die HSH Nordbank in der Finanzkrise eine der am schwersten getroffenen Landesbanken ist, sollte nichts neues sein. Nach dem Rücktritt des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Werner Marnette hat dieser nun erneut über die Probleme der Bank und vor allem der Politik ausführlich Auskunft gegeben. Bereits direkt nach seinem Rücktritt hatte er den Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Hamburg „schlechtes und unprofessionelles Krisenmanagement“ vorgeworfen. In einem Interview mit dem Spiegel hat er nun erneut ausführlich über die Vorgänge bei der Landesbank berichtet.

Darin hält Marnette u.a. die Risikovorsorge für den Bereich Schiffsfinanzierung als deutlich zu gering. Bei einem Volumen von rund 33 Mrd. Euro sind nur 300 Mio. Euro Risikovorsorge getroffen worden.

Die HSH Nordbank hat gut 33 Milliarden Euro Volumen bei der Schiffsfinanzierung. Wollen Sie mir erzählen, dass das Ausfallrisiko da unter einem Prozent liegt? Sehen Sie mal, das musste ich mir alles mühselig per Hand notieren: weniger als ein Prozent dieser Summe – das ist die Risikovorsorge der Bank für die Jahre bis 2012. Und das, obwohl aus den Unterlagen, die ich in der knappen Zeit einsehen konnte, hervorgeht, dass 64 Prozent des finanzierten Schiffsportfolios von den Rating-Agenturen schlechter als A eingestuft wurden. Das sind alles Wackelkandidaten.

Als Grund für fehlende, ernsthafte Beschäftigung mit einer Rettung der Bank nennt Marnette Sorgen der Landespolitik um Dividendenerträge.

Es ist nie ernsthaft versucht worden, die Bank frühzeitig unter die Kontrolle des Soffin zu stellen. […] Wiegard [Finanzminister in Schleswig-Holstein, Anm. des Autors] hat immer gesagt, wenn der Bund einsteigt, werden unsere Anteile verwässert. Dann haben wir keinen Einfluss mehr, und uns gehen die Dividenden flöten.

Zusammenfassend bezeichnete er das Ganze als „Wahnsystem“. Wenn die Vorgänge tatsächlich wie geschildet ablaufen bzw. abgelaufen sind, wäre dies ein Skandal. Großangelegte Verschleierung der Tatsachen. Dabei kann man sich einen Eindruck verschaffen, wie es vermutlich auch bei den anderen Landesbanken zugeht. Ich finde das erschreckend!


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