EU und Euro treiben vor sich hin – sind Eurobonds schon der Weisheit Europas letzter Schluss?

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[ad#Google Adsense XL-rechts]Die Probleme rund um den Euro und die Schuldenkrise haben in den vergangenen Wochen dazu geführt, grundsätzlich über die Zukunft des Projekts Europa und EU nachzudenken. Offenbar hat sich bei dem ein oder anderen doch die Vernunft durchgesetzt. Schließlich kann man nur etwas retten, von dem man auch weiß was es sein soll.

Im Mai schrieb ich: „Die Euro-Krise wird zur Dauerbelastungsprobe für überzeugte Europäer“.

Auch die Bürger sollten allmählich einmal die Zahlen auf den Tisch bekommen. Anstatt durch Verschiebungen in die Zukunft oder über Schattenhaushalte sollten die Kosten des Euro-Experiments klar offengelegt werden. Es würde der Akzeptanz des europäischen Gedankens nur nützen.

Generell hat sich an meiner Kritik nicht geändert – im Gegenteil: Sie scheint begründeter zu sein denn je. Während man damals noch dachte, mit leichtem herumdoktern klar zu kommen, wird eine Not-OP (um im medizinischen Bild zu bleiben) immer wahrscheinlicher. Offen ist dabei immer noch wohin die Reise gehen soll. Da ruft eine Ministerin schon lautstark die „Vereinigten Staaten von Europa“ aus, ohne bislang darüber diskutiert zu haben, ob die Bürger hierzulande oder in den Nachbarstaaten das überhaupt wollen. Offen ist dabei immer noch, welche Art von VSE es denn sein soll. Mehr der Typus USA mit weitgehend nach innen unabhängigen Bundesstaaten oder doch eher ein Föderalismus a la Deutschland? Oder vielleicht doch eher das Modell Schweiz mit seinen Kantonen? Jeder hat andere Vorstellungen und tut aber zugleich nichts dazu, dass ernsthaft über die Zukunft Europas diskutiert wird

Ausgelöst hat die Debatte der Ruf nach Eurobonds, also gemeinschaftlich ausgegebenen Staatsanleihen. Und selbst hier ist unklar, ob diese durch eine europäische Institution (EU-Kommission, EZB oder etwas Vergleichbares) oder doch nur durch die jeweiligen Mitgliedsstaaten in Teilen geschultert werden. Dabei wäre nur durch eine gesamtschuldnerische Haftung wirklich etwas im Vergleich zu den derzeitigen Rettungsschirmen gewonnen. Standard & Poor’s ja bereits erklärt, dass ansonsten das schwächste Mitglied den Ausschlag für das Rating gibt. Folge: Ramschstatus.

Das Projekt Europa steht also vor umfassenden Veränderungen – ohne dass bislang die Europäer auch nur ansatzweise ein Wort dazu loswerden konnten. Die Diskussion um eine Vertiefung der Europäischen Union mit den Instrumenten Eurobonds und Wirtschaftsregierung wird derzeit nur in höchsten Regierungskreisen geführt, ohne die Ideen en Detail auszuformulieren. Schließlich bestünde dann die Gefahr, dass die Vorschläge bis ins kleinste Detail hinterfragt und auseinander genommen würden. Europa war einst als Staatenbund gedacht. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wurde im Lauf der Zeit immer enger und am Ende stand der Euro. Da sich jedoch niemand an die selbst aufgelegten Regeln gehalten hat, ist die Gemeinschaftswährung am jetzigen Abgrund angekommen. Und genau das fehlende „an die Regeln halten“ ist mein Hauptgrund, warum ich auch die Eurobonds als zum Scheitern verurteilt sehe. Gemeinsame Finanzpolitik hin oder her. Funktioniert hat es noch nie und das derzeitige Personal lässt auch keine Hoffnung zu, dass sich das bald ändert.

Ein weiteres Argument: Eurobonds würden einen riesigen Anleihemarkt schaffen – das mag sein. Damit treten wir in direkter Konkurrenz zu den amerikanischen T-Notes, ok. Doch finden sich auch aus anderen Regionen der Welt genügend Interessenten oder bleibt die Eurozone am Ende auf ihren eigenen Papieren sitzen. Dass das auch geht, zeigt ja derzeit die EZB mit ihren massenhaften Anleihekäufen. Aber sinnvoll ist das nicht. Zudem muss dieser Markt erst noch geschaffen werden. Erst wenn die nationalen Schulden in Summe umgeschuldet wären, hätten wir einen entsprechenden Markt. Bis dahin, wären Eurobonds nur eine weitere Anlageform, deren Solvenz nicht so recht einschätzbar ist.

Insofern braucht es noch mehr gute rgumente um die Gemeinschaftsanleihen zu begründen. Die überschuldeten Staaten sollen durch die Eurobonds wieder günstiger an Geld kommen. Das ist sicher richtig, aber löst das die Probleme? Der Anreiz weniger Schulden zu machen, sinkt und die Altschulden dürften ebenfalls nicht abgebaut werden. Schließlich werden die Schulden im fernen Brüssel gemacht, ohne dass man etwa davon konkret etwas in Athen oder Lissabon sieht.

[ad#Google Adsense M-links]Also dürften Eurobonds im besten Fall nur dazu dienen, einige zusätzliche Jahre zu bekommen. Dann treten die aktuellen Probleme umso heftiger auf. Im ungünstigsten Fall verteuert sich die Kreditaufnahme auch für die AAA-Staaten wie Deutschland erheblich und verschlimmert die Lage mit hoher Geschwindigkeit.

Was heißt das also für die Aktienmärkt? Die Turbulenzen halten wohl weiter an: Schlechte Nachrichten werden derzeit ja häufig fälschlicherweise als Hoffnungsschimmer missverstanden – auch QE3 wird die Schuldenprobleme der Welt nicht lösen. Das könnte nur eine deutlich anziehende Weltwirtschaft mit einem gleichzeitigen Schuldenabbau in den Staaten. Bis dahin bleibt es fragil. Substanzstarke Aktiengesellschaften und damit auch ihre Aktien und Anleihen, werden auch diese Entwicklung überstehen. Vor Kursturbulenzen darf man sich dabei nicht fürchten. Aber inzwischen günstige Titel kann man ja auch gegen Kursverfall durch entsprechende klassische Put-Optionsscheine absichern. Das ist zwar eine eher altbackene Methode, aber gerade in den derzeitigen Märkten nicht verkehrt… Achso und den Goldmarkt sollte man auch nicht unterschätzen. Hier kommt ja immer der Hinweis auf die angebliche Blase. Aber unter den vorhandenen Blasen (Bspw. Staatsanleihen, Immobilien) ist Gold sicher noch die kleinste. Zudem sollte man den Versicherungscharakter, den viele Anleger in Gold sehen, nicht unterschätzen. Hier prallen zwar vielfach ganz konträre Grundsatzdenken aufeinander, aber das macht die Entscheidung in die eine oder andere Richtung nicht leichter.


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