Verluste begrenzen – der Weg zum Börsenerfolg?

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„Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“. Dieses Prinzip sollten nicht nur kurzfristig orientierte Trader beherzigen, sondern auch Anleger, die eher langfristig investieren. Durch die Anwendung von Risiko- und Money-Management können auch Langfristinvestoren ihre Depotperformance deutlich verbessern. Ich will einmal versuchen aufzuzeigen, wie man diese Technik sich zu Nutze machen kann.

Sind wir doch einmal ganz ehrlich zu uns selbst: Das Gros der Anleger handelt bei ihren Investitionsentscheidungen viel zu emotional. Das Erfolgsprinzip „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ wird in der Realität häufig umgekehrt. Viele Anleger lassen ihre Positionen oft weit in den Verlust laufen, während Gewinne meist viel zu früh realisiert werden. Schließlich ist an Gewinnmitnahmen noch keiner gestorben…

Doch gerade eine solche Vorgehensweise macht es schwierig, einen dauerhaften Erfolg an den Finanzmärkten zu realisieren. Wer gut laufende Positionen zu schnell aus dem Portfolio verbannt und an denen, die in die Verlustzone rutschen, festhält, tut seinem Depot keinen Gefallen.

Auch der Verwendung von Stoppkursen stehen viele Anleger eher skeptisch gegenüber. Der Hintergrund ist durchaus nachvollziehbar: Wer eine Position mit Verlust glattstellt, muss sich eingestehen, dass er mit seiner Einschätzung beim Einstieg falsch gelegen hat. Und das tun Menschen nun einmal nicht gerne.

Aber: Hohe Verluste sind schwierig aufzuholen! Dabei ist gerade das konsequente und frühzeitige Begrenzen von Verlusten ein entscheidender Faktor, um an der Börse dauerhaft erfolgreich zu sein. Denn es ist nun einmal eine Tatsache: Je weiter ein Verlust anwächst, desto schwieriger wird es, ihn wieder aufzuholen. Dazu sollten Sie sich folgenden Zusammenhang einmal vor Augen führen: Verkaufen Sie eine Position mit einem Minus von 15%, muss der nächste Trade gerade einmal ein Plus von knapp 18% einbringen, um den vorangegangenen Verlust wieder aufzuholen. Das ist ein vergleichsweise machbares Unterfangen. Lassen Sie den Verlust hingegen auf 30% anwachsen, müssen Sie beim nächsten Investment schon ein Plus von 43% er wirtschaften. Hat sich eine Position halbiert, ist beim nächsten Trade sogar eine Kursverdoppelung notwendig, um den Verlust wieder auszugleichen.

Soweit sollten Sie es deshalb am besten erst gar nicht kommen lassen. Halten Sie Ihre Verluste – die sich an der Börse letztlich nie vermeiden lassen – in einem überschaubaren Rahmen von 15 oder vielleicht 20%, bleiben die Folgen für das Gesamtdepot vertretbar und Sie haben eine realistische Chance, mit Ihrer nächsten Investition die zuvor erlittenen Verluste wieder aufzuholen.

Zur Begrenzung von Verlusten sind Stoppkurse ein effektives Mittel. Gerade für Anleger, denen es schwer fällt, einen Verlust zu realisieren, empfiehlt es sich, bereits vor einer Investition festzulegen, welchen Verlust sie zu akzeptieren bereit sind und wo Sie aus einer Minusposition wieder aussteigen. Um zu verhindern, dass Ihnen Ihre Emotionen einen Streich spielen, ist es ratsam, an der Börse einen automatischen Stop-Loss-Auftrag zu platzieren. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Position verkauft wird, sobald der Stoppkurs erreicht wird, und der Verlust nicht weiter anwächst. An dieser Stelle drängt sich natürlich die Frage auf, wo ein Stoppkurs zur Verlustbegrenzung platziert werden sollte.

Ein sinnvoller Ansatz ist, zu schauen, ob 15 bis 20% unter dem aktuellen Kurs wichtige charttechnische Marken liegen, beispielsweise irgendwelche signifikanten Tiefs im Kursverlauf. Den Stopp sollten Sie dann auf jeden Fall immer knapp unter die jeweilige Marke legen. Denn häufig ist es so, dass der Kurs an zentralen charttechnischen Unterstützungen nach oben dreht.

Wenn Sie so vorgehen und gleich nach dem Einstieg einen Stop-Loss-Auftrag platzieren, sind Sie vor allzu hohen Verlusten auf jeden Fall geschützt und sorgen so dafür, dass Ihr Depot auch für den Fall einiger Verlustgeschäfte nicht vom Kurs abkommt. Denken Sie immer daran: Verluste lassen sich an der Börse nicht vermeiden. Daher sollten Sie versuchen, sie klein zu halten. Stoppkurse sind dabei nichts anderes als eine Art Versicherungsprämie gegen katastrophale Verluste.

Stopps dienen aber nicht nur dazu, Verluste einzugrenzen. Sie helfen auch dabei, bereits aufgelaufene Gewinne zumindest teilweise sicherzustellen: mit Hilfe eines sogenanntes „Trailing Stopps“, ein „nachlaufender“ Stopp, der im Laufe eines Kursanstiegs immer wieder nach oben angepasst wird.

Einige Direktbanken bieten Trailing Stopps an, die automatisch immer um einen festen Betrag oder Prozentsatz unter ein neues Hoch nachgezogen werden. Sinnvoller erscheint es, auch bei laufenden Positionen die Charttechnik zu Rate zu ziehen und den Stopp unter wichtige Unterstützungen nachzuziehen. Dabei bietet es sich an, immer dann den Stopp anzupassen, wenn die Position ein neues Hoch erreicht hat.

Relativ wenig Gedanken machen sich die meisten Anleger auch über die Frage nach dem „Wie viel“. Auch hier wird oft aus dem Bauch heraus gehandelt. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Positionsgröße dem Gesamtwert des Portfolios angemessen ist. Damit wären wir bereits beim Thema Money Management.

Beim Money Management in seiner einfachsten Form geht es an sich nur um die Frage: Wie viel Kapital soll in eine Position investiert werden? Der Kapitaleinsatz respektive die Stückzahl, die Sie kaufen sollten, kann anhand einer einfachen Formel berechnet werden. Dazu benötigen Sie lediglich zwei Parameter. Neben dem Stopp, den Sie vor jedem Investment festlegen sollten, sollten Sie sich grundsätzlich überlegen, welchen Anteil Ihres Kapitals Sie bei einer Position riskieren wollen.

Sinnvoll ist es, bei einer Position nicht mehr als 2% des Depotwerts aufs Spiel zu setzen. Nehmen wir dazu ein konkretes Beispiel: Beläuft sich der Gesamtwert Ihres Portfolios auf 50.000 Euro, sollte der Verlust pro Position auf maximal 1.000 Euro (2% von 50.000 Euro) begrenzt werden. Haben Sie außerdem vor einer Investition den Stoppkurs festgelegt, können Sie genau ausrechnen, welche Stückzahl von einer Aktie Sie kaufen können. Bleiben wir bei unserem Beispiel. Sie möchten eine Aktie kaufen, die aktuell bei 60 Euro notiert und wollen die Position mit einem Stopp bei 52 Euro absichern, beträgt Ihr Risiko pro Aktie 8 Euro. Nun teilen Sie Ihr Risiko pro Position in Höhe von 1.000 Euro durch das Risiko pro Aktie (8 Euro) und erhalten die Stückzahl. In diesem Beispiel könnten Sie also 125 Aktien kaufen.

Wenn Sie so bei jeder Investition vorgehen, wissen Sie immer schon vor dem Kauf, wie hoch Ihr maximales Risiko ist. Im Falle eines Verlusttrades verlieren Sie somit lediglich 2% Ihres gesamten Depotwerts. Damit ist gewährleistet, dass der Schaden für Ihr Depot im Rahmen bleibt – auch für den Fall, dass Sie einmal eine längere Verlustserie hinnehmen müssen.

Das Thema Money Management geht aber noch weiter. Denn wenn Sie bei einer Position, die in den Gewinn läuft, den Stopp nachziehen, können Sie diesePosition aufstocken, ohne das Risiko für das Gesamtdepot zu erhöhen. Im Trader- Jargon spricht man dabei von „Pyramidisieren“.

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Die meisten erfolgreichen Trader erzielen nicht so gute Ergebnisse, weil sie eine besonders außergewöhnliche Strategie verfolgen, sondern vielmehr deshalb, weil Sie ihre Gewinnpositionen konsequent ausbauen, während sie Verluste frühzeitig realisieren. Ein Beispiel dafür sind die legendären „Turtles“, eine Gruppe erfolgreicher amerikanischer Trader in den 1980er-Jahren. Sie stockten Positionen, die in die richtige Richtung liefen, bis zu dreimal auf und zogen gleichzeitig die Stopps nach. Nur durch diese Vorgehensweise waren sie in der Lage, außergewöhnlich hohe Gewinne zu erzielen.

Bleiben wir bei unserem vorigen Beispiel. Nehmen wir an, die Aktie steigt nach dem Einstieg von 60 auf 67 Euro und Sie ziehen den Stopp von zunächst 51 Euro auf nun 56 Euro nach. Damit beträgt Ihr Risiko gegenüber dem Einstandspreis nur noch 4 Euro (60-56). Nun berechnen Sie erneut Ihr Risiko,indem Sie das Risiko pro Position (1.000 Euro) durch das Risiko pro Aktie (4 Euro) teilen. Sie erhalten dann eine Stückzahl von 250. Sie könnten also 125 Aktien (250-125) nachkaufen, ohne das Risiko für Ihr Gesamtdepot zu erhöhen.

Mein Fazit: Ob Sie die Technik des Pyramidisierens nutzen möchten, bleibt selbstverständlich Ihnen überlassen. Sie sollten sich aber unbedingt disziplinieren, vor jeder Investition einen maximalen Verlust festzulegen und konsequent auszusteigen, wenn dieses Niveau erreicht wird. Und kaufen Sie niemals eine Verlustposition nach, um den Einstand zu „verbilligen“. Wenn Sie diese Grundprinzipien des Risiko- und Money-Managements für Ihre mittel- und langfristigen Investitionen verinnerlichen, steht Ihrem dauerhaften Börsenerfolg nicht mehr viel im Wege. Sollte man meinen. J


2 KOMMENTARE

  1. Sehr schön zu sehen, dass das Thema Money Management immer mehr aufkommmt. Gerade Einsteiger und Privatanleger vernachlässigen dieses zu sehr, was teils vertale folgen hat. Ich selber habe or vier Wochen einen Artikel zu diesem Thema auf meinem Blog geschrieben (www.aktienhandel-einsteiger.de) allerdings noch etwas grundlegender. Finde aber den weiterführenden Ansatz mit der maximalen Verlustkalkulation sehr gut und werden diesen Artikel nur zu gern weiter empfehlen.

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