Die Abwrackprämie wird zum Fass ohne Boden

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Die Umweltprämie (vulgo: Abwrackprämie) wird trotz ihrer Datenschutzpannen mehr und mehr ein Fass ohne Boden. Auf der Website des BAFA konnte man heute lesen, dass fast 850.000 900.000 Anträge eingegangen sind. Aktuelle Zahlen findet man immer hier. Konkret wurden 441.037 Anträge auf Gewährung der Umweltprämie nach dem alten Verfahren gestellt, d.h. hier liegen alle Unterlagen vor. Weitere 407.493 452.817 Anträge sehen bisher nur eine Reservierung vor, die Prämie dürfte aber dennoch in so gut wie allen Fällen ausbezahlt werden.

Bemerkenswert daran ist, dass die Reservierungen erst seit Montag möglich sind. Insofern ist es nur noch eine Frage der Zeit wann die Million geknackt wird. Damit wären wir dann auch bei den angepeilten 2,5 Mrd. Euro. Das klingt in Zeiten wie diesen zwar erstmal nicht viel – ist es wahrscheinlich auch nicht. Nur im Zeitraum Januar bis April 2008 wurden laut VDA 1.053.900 Fahrzeuge neuzugelassen. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass durch die Abwrackprämie vergleichbare Zahlen zustande kommen, aber dennoch ein Großteil der Autoindustrie sich in Kurzarbeit befindet bzw. sogar Personal entlässt merkt man die Absurdität des Ganzen.

Daneben ist es vor allem auch schlimm, dass jetzt viele Autos verschrottet werden, die eigentlich noch einige Jährchen fahren könnten. Es gibt ja was umsonst. Und da setzt dann schon mal der Verstand aus. Das ist defacto die staatlich geplante Vernichtung von Volksvermögen. Den Umweltschutzgedanken kann man an dieser Stelle ebenfalls außen vor lassen. Diesel-Stinker wie in Afrika gibt es hier seit langer Zeit nicht mehr und trotz „Umwelt“-prämie wird keine umweltfreundliches Auto in der Prämie bevorzugt. Es wäre sinnvoller gewesen, die alten Autos für den Export nach Übesee vorzusehen, dann hätten wenigstens die Uraltkarren dort verschrottet werden können. Aber auch das wurde verpennt.

Immerhin freuen sich derzeit die Kleinwagenhersteller. Neben VW und Opel sind das vor allem die Renault-Tochter Dacia und diverse asiatische Hersteller. Davon abgesehen, dass ich lieber in einem 20 Jahre alten Mercedes herumfahren würde, denn in einem neuen Dacia, wird es spannend sein, wie sich in drei bis vier Jahren der Gebrauchtwagenmarkt entwicklen wird. Dann werden nämlich diese Prämienautos auf den Markt geworfen werden. So wie der Gebrauchtwagenmarkt derzeit leergefegt ist, wird er dann überschwemmt werden. Toller Staatseingriff! Wenigstes die Besitzer von alten Autos freuen sich derzeit, denn der Markt mit Gebrauchtersatzteilen ist derzeit so dermaßen im Keller, dass man sich fast komplett aus alten Teilen ein Auto neu zusammenbauen lassen kann. Für Bastler tolle Zeiten!

Ein anderer Aspekt, der vielfach keine Beachtung findet: Die Leute, die sowieso vorhatten in diesem oder nächsten Jahr ein Auto zu kaufen, tun dies jetzt. Nur die hätten eh dieses Jahr oder nächstes Jahr ein Auto gekauft, einfach weil sie mussten. Da wird der Konsum einfach vorgezogen. Von daher darf man davon ausgehen, dass unabhängig von der Konjunkturentwicklung der Absatz zu Beginn des kommendes Jahres erschütternde Einbrüche verzeichnen wird. Naja ein Grund mehr die Abwrackprämie dann auch bis 2010 laufen zu lassen. Die Krise hört ja nicht auf… so kommen wir dann zum dauerhaft staatlich subventionierten Autokauf. Der bis dahin „gerettete“ Autobauer Opel wird sich freuen, denn seine Autos werden ja dank Prämie gekauft. BMW, Daimler und Audi haben bis dahin die Kurzarbeit auf die Ein-Tage-Woche ausgeweitet, weil mehr Autos werden nicht mehr gebraucht. Erste Schritte sehen wir ja heute schon. Aber so viel Polemik am Mittag tut auch trotz 1. April nicht gut. Und während ich hier schreibe, stieg die Zahl schon auf fast 900.000 Anträge. Man kann garnicht so viel essen,….


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2 KOMMENTARE

  1. trend watch : Die Abwrackprämie wird zum Fass ohne Boden | Die Börsenblogger…

    […]Die Umweltprämie (vulgo: Abwrackprämie) wird trotz ihrer Datenschutzpannen mehr und mehr ein Fass ohne Boden. Auf der Website des BAFA konnte man he[…]…

  2. […] Jetzt muss nur noch das Geld eingehen, aber da solle es auf ein paar Tage hin oder her nicht ankommen. Was ich damit machen werde, weiß ich noch nicht – nur ins Auto werde ich das Geld mit Sicherheit nicht stecken. So schön einige Tuningmaßnahmen, wie zum Beispiel ein Chiptuning auch sein mögen, dafür ist mir das Geld zu schade. Das Leben ist nämlich teuer genug, man denke nur an die Kosten, die beim Tanken erstehen – irgendwie muss unser Staat das Geld ja wieder hereinholen, das ihn die Abwrackprämie kostet. […]

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