Wer ist eigentlich schlechter dran: Die USA oder Euroland?

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Die Schreckensmeldungen aus der Eurozone und den USA wetteifern dieser Tage um die größte Beachtung bei den Anlegern. Bei so vielen neuen Informationen fällt die Beurteilung der Gesamtsituation von Mal zu Mal schwerer. Doch der Reihe nach.

[ad#Google Adsense XL-rechts]Die Ratingagenturen nehmen sich die Eurozone Stück für Stück vor. Nach den Dauerkrisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal kam diese Woche noch Italien auf das große Schachbrett der Ökonomen. Für die einen war es völlig überraschend, für die anderen längst überfällig. Und tatsächlich konnte man in den Statistiken schon lange ablesen, wohin die Reise geht. Die Kursentwicklung zahlreicher Banken, wie etwa die des Branchenriesen Unicredit, wies seit langem klar nach unten. Dabei zeigt sich wieder einmal, dass eine laute Regierung nicht unbedingt gut sein muss. Wobei ja angesichts der jüngsten Prozesse und Skandale um Ministerpräsident Silvio Berlusconi manch einer von einer gezielten Aktion spricht. Wenn sich Italien als Problem der ganzen Eurozone darstellt, kann die Regierung ja nur handeln, wie es in Brüssel beschlossen wurde. Um die Probleme aber auf den Punkt zu bringen: Italien lässt sich nicht mit den genannten PIG-Staaten vergleichen. Dazu verfügt das Land über eine zu ausgeprägte Wirtschaft. Norditalien ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen der EU und hat eben mit dem Süden eine Art eigene Krisenregion. Zudem schaffte es Italien bislang, die Schulden im Land zu halten, das heißt die Staatsschulden liegen Großteils bei italienischen Banken und Versicherungen.

Ganz im Gegensatz zu Griechenland. Die Schulden sind europaweit verteilt und die Bonität wird von zwei Ratingagenturen bereits fast mit Zahlungsausfall bewertet. Sollte ein Schuldenschnitt und die Refinanzierung des Landes nicht bald erfolgen, wird auch die letzte Ratinghürde fallen. Darüber hinaus wird auch von vielen Experten weiterhin ein zumindest temporäres Ausscheiden aus der Eurozone empfohlen. Am Ende wird es wohl auch wirklich so kommen (müssen). Nur die Politik ist noch nicht so weit.
Überhaupt die Politik. Selten war der europäische Chor so vielstimmig und auf Eigeninteressen ausgerichtet. Die europäische Idee wird offenbar von vielen nur noch als zweckmäßige, aber lästige Sache angesehen. Die Zeiten, in denen Europa eine Herzensangelegenheit war, sind wohl vorerst vorbei. Das sieht man auch an unserer Kanzlerin, die angesichts der momentan diskutierten Waffenexporte bereits als Panzlerin tituliert wird. Eine zielführende Außenpolitik, die auf nachhaltige Exportstärke abzielt, sieht anders aus. Speziell im neugeschaffenen Südsudan hätte Deutschland nun die Chance, demokratische Grundprinzipien und Rohstoffversorgung unter einen Hut zu bringen. Doch das Geschäft scheinen andere zu machen und ob die Demokratie wirklich Einzug hält, muss man abwarten.

Während sich die Eurozone also mit einer Inflationsrate von 2,7 Prozent herumquält und vor allem auf den wirtschaftlich starken Norden rund um Deutschland setzt, sieht die Lage in den USA deutlich schwieriger aus. Die in den vergangenen Jahren stets angehobene Schuldengrenze könnte erstmalig nicht angehoben werden – zumindest finden regierende Demokraten und oppositionelle Republikaner derzeit keinen Kompromiss. Gleichzeitig kündigen die Ratingagenturen an, in diesem Fall nicht länger am AAA-Rating festzuhalten. Doch angesichts des möglichen neuen Aufkaufprogramms durch die Fed kann dies die US-Regierung nicht schrecken. Dank QE3 können die USA weiter machen wie bisher. Größter Schuldner der USA neben China ist die eigene Notenbank. Das einzige Problem dabei ist, dass die Methode, sich à la Münchhausen selbst am eigenen Schopf aus dem Dreck zu ziehen, von vielen Menschen nicht mehr als tatsächliche Möglichkeit gesehen wird. Stattdessen will man auch in den USA den Weg zu Stabilität finden. Viele sehen diesen Weg über Gold. Der Preisanstieg in Richtung 1600 Dollar macht deutlich, wohin die Reise geht. Inflationsangst und wenig erfreuliche Signale vom Arbeitsmarkt halten die Unruhe im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hoch. Während in Europa in solchen Situationen gerne einmal zu Massenprotesten gegriffen wird (siehe Griechenland und Spanien), hält man sich in den USA eher zurück.

[ad#Google Adsense XL-links]Fazit: Während die USA wohl die ernsthafteren Probleme haben, aber durchaus leichter aus der Sache kommen, ist die Lage in der gesamten Eurozone nicht so ernst, wie sie dargestellt wird. Dennoch wird man nicht um tiefe Einschnitte in die Währungsunion herumkommen. Dazu kommt das Widerstandspotenzial der Bürger. Unruhen – welcher Art auch immer – könnten Reformbemühungen schnell erlahmen lassen.

Für den Anleger ist das alles in allem kein Grund zur Freude. Abseits von Gold bieten Sachwerte natürlich immer noch die größte Sicherheit. Der Run auf (deutsche) Immobilien sollte allerdings nur bedingt nachgeahmt werden. Hier gilt weiterhin „Lage, Lage, Lage“ und die guten sind wohl seit langem vom Markt. Stattdessen könnte sich vielleicht eine energetische Renovierung in die bestehenden Immobilien lohnen, so lange diese staatlicherseits noch so übermäßig gefördert wird. Daneben bleiben dann „nur“ noch Aktien. Mit Blick auf die anhaltende Stärke des chinesischen Marktes könnten durchaus deutsche Autowerte wie VW, Daimler und BMW weiter zulegen. Überhaupt scheint sich China trotz der Probleme als neue Lokomotive in der Welt zu etablieren. Die großen Gewinner im Land des Lächelns greifen dabei vermehrt zu Luxusprodukten aus den Häusern LVMH, Prada und Richemont. Doch auch Bodenständiges geht weiter gut. Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé, Danone oder Unilever sind auch mit Blick auf die langfriste Anlage sinnvoll. Selbst ein Dauerbrenner wie Coca-Cola kann man sich in diesen Zeiten durchaus einmal näher anschauen. Die Finger weglassen sollte man weiterhin von Finanztiteln – egal aus welcher Region.


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