Die Symbolpolitik der IEA – Strategische Ölreserven werden angezapft

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[ad#Google Adsense L-rechts]Konzertierte Maßnahmen leben bekanntlich vom Überraschungsmoment – dies ist der Internationalen Energieagentur durchaus gelungen. Gestern wurde überraschend angekündigt 60 Millionen Barrel aus den strategischen Ölreserven (Pressemitteilung) auf die Märkte zu werfen. Die Reaktion dort fiel deutlich aus: die Preise für Light Crude und Brent gaben deutlich nach. Leichtes US-Öl fiel kurzzeitig unter 90 Dollar, Brent auf 106 Dollar. Inzwischen sind wieder leicht Aufwärtstendenzen zu sehen…

Insofern war die Maßnahme nur kurzzeitig erfolgreich. Zumal der offizielle Grund für Intervention – die Probleme in Libyen – ja schon lange Zeit besteht und der Höhepunkt des Ölpreisanstiegs schon fast zwei Monate zurückliegt. Offiziell heißt es bei der IEA:

…the 28 IEA member countries have agreed to release 60 million barrels of oil in the coming month in response to the ongoing disruption of oil supplies from Libya. This supply disruption has been underway for some time and its effect has become more pronounced as it has continued. The normal seasonal increase in refiner demand expected for this summer will exacerbate the shortfall further. Greater tightness in the oil market threatens to undermine the fragile global economic recovery.

Offenbar erwartet man in den kommenden Wochen neue Preiseffekte. Allerdings dürfte in diesem Jahr der Preisdruck durch die „Driving Season“ in den USA konjunkturbedingt eher gering ausfallen und die Lage in Libyen hat sich zumindest laut offiziellen Berichten ebenfalls nicht verschlechtert. Möglicherweise wollte man aber auch die schlechte Stimmung nach den schwach ausgefallenen Konjunkturdaten in den USA (BIP-Prognose der Fed, Erstanträge) mitnutzen und so dem Ölpreis einen ordentlich Schub nach unten versetzen. Dazu ist allerdings die Menge von 60 Millionen Barrel zu gering – sie entspricht nur rund zwei Dritteln des weltweiten Tagesverbrauchs. Außerdem will man seitens der IEA auch nur max 2 Millionen Barrel pro Tag auf den Markt lassen. Alles in allem also Symbolpolitik in Reinkultur. Ich sehe gerade, dass egghat auch ziemlich verwirrt über die Aktion ist. Er verweist allerdings noch auf Spekulationen des US-Blogs Zerohedge über einen Zusammenhang mit einem mögliche QE3-Programm. Insofern blickt der Markt eher ratlos drein und wartet auf die nächsten Prognosen zum Ölverbrauch. Bis 2016 erwartet die IEA (Pressemitteilung) ein jährliches Wachstum des täglichen Verbrauchs um 1,2 Millionen Barrel – insofern wird noch einmal mehr deutlich, dass die Ad-hoc-Maßnahmen nur ein kurzer Tropfen auf den heißen Stein sind. Die Zeit des billigen Öls ist eben so oder so vorbei!


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