China könnte zum neuen Inflationstreiber in der Welt werden

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Die Entwicklung von der Werkbank der Welt hin zu einem ernsthaften Wettbewerber gelang China in einem atemberaubenden Tempo. Zwar ist es erfreulich, dass immer mehr hochwertige Güter in den Märkten zwischen Hongkong und Peking und zwischen Tibet und gelbem Meer ihren Absatz finden. Dennoch gibt manche Entwicklung auch Anlass zur Besorgnis. Schaut man auf den Automobilsektor, fallen dieser Tage vor allem Volkswagen und Porsche ins Auge. Beide Konzerne konnten ihren Absatz in China zuletzt deutlich ausweiten. Die Vorreiterrolle liegt zum einen in der seit fast 30 Jahren andauernden Präsenz von VW auf dem chinesischen Markt und zum anderen an dem international unverändert starken Renommee der schwäbischen Sportwagen. Daneben profitiert VW vor allem auch von der Produktion vor Ort. Dennoch stehen beide Konzerne unter immer größerem Druck durch die chinesische Konkurrenz. Wie stark diese inzwischen ist, zeigt sich schließlich auch in dem unverhohlenen Interesse an Opel. Deutsche Technologie ist gefragt, aber nicht so, wie wir es uns wünschen.

Trotz aller Absatzchancen im Reich der Mitte sollte man auch die entgegengesetzten Handelsbeziehungen nicht vergessen. Besonders im Bekleidungssektor verlassen sich Deutschland (aber auch die USA) auf Importe – allen voran aus China. Laut Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels kommen inzwischen rund 60 Prozent der deutschen Textilien aus China. Nachdem dies in der Vergangenheit für immer neue Preistiefs an der Ladentheke gesorgt hat, dürfte diese Entwicklung über kurz oder lang ein Ende finden. Mit steigenden Löhnen versucht die chinesische Regierung, die Bevölkerung bei Laune zu halten und sich zugleich einen lukrativen Binnenmarkt zu schaffen. Die Lohnsteigerungen belaufen sich dabei auf zweistellige Prozentraten. Zwar ist das absolute Lohnniveau noch immer äußerst gering. Allerdings konnte auch nur so massive Technisierung verhindert werden. Die Zukunft dürfte diesen Trend aber umkehren. Die Zeit von Billigshirts für 4 Euro pro Stück dürfte also bald vorbei sein. Vergessen sollte man auch nicht, dass selbst in vielen hochwertigen Textilien meist ein Stück Made in China enthalten ist. Große Ketten wie H&M oder Zara halten sich mit Aussagen hierzu zurück. Dennoch dürfte die Lohnentwicklung in China auch dort bald spürbar sein.

Der schwedische Modekonzern Hennes & Mauritz etwa steigerte den Nettoumsatz im zweiten Quartal 2010/11 um 2 Prozent auf 27,6 Mrd. Schwedische Kronen. Allerdings wuchs die Zahl der Geschäfte im gleichen Zeitraum um 11 Prozent. Die vergleichbaren Umsätze blieben mit +2 Prozent deutlich unter den Erwartungen, was nicht nur auf die Wechselkursentwicklung zurückzuführen ist. Weltmarktführer Inditex, Muttergesellschaft von Zara und Massimo Dutti, konnte in seinem ersten Quartal 2011/12 den Umsatz um 11 Prozent auf 2,96 Mrd. Euro steigern. Damit befinden sich beide Konzerne umsatztechnisch auf einem Niveau. Dennoch bemerken beide Konzerne den Preisdruck bereits. Hinzu kommen die gestiegenen Baumwollpreise, die bereits US-Konzerne wie GAP deutlich in die Bredouille brachten. Alles in allem dürfte Bekleidung in der Zukunft deutlich teurer werden, sofern die Händler nicht ihre Gewinne einbrechen lassen, was nicht zu erwarten ist. Das Heil liegt also wieder in einer deutlich stärkeren Technisierung der Branche, da alternative Produktionsländer in Asien hier weder mit qualifiziertem Personal noch Infrastruktur Alternativen bieten können. Die ganze Entwicklung könnte am Ende auch in eine Renaissance der heimischen Textilwirtschaft münden. Mit steigenden Transport- und Produktionskosten verlieren chinesische Waren zunehmend ihre Wettbewerbsvorteile. Der T-Shirt-Hersteller mit dem Werbeaffen dürfte das mit Freuden sehen.

Doch zurück zu den Auswirkungen auf die heimischen Preise. Mit dem Bereich Textilien bekommt der heimische Verbraucherpreisindex ein weiteres Problemfeld hinzu. Zogen doch auch die gesamten Importpreise zuletzt stark an. Im April belief sich der Anstieg auf stolze 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Seit 2005 sind die Importpreise sogar bereits um fast 18 Prozent gestiegen. Zwar hält sich die Inflationsrate in Deutschland mit 2,3 Prozent im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat derzeit noch im Rahmen. Europaweit liegt sie aber bereits bei 2,7 Prozent. Und die Tendenz geht eher nach oben, denn nach unten. Denn neben Textilien ist China ja auch in anderen Bereichen ein starker Handelspartner. Und wenn die Lohnentwicklung in China weiter so an Fahrt gewinnt, bleiben die Auswirkungen auch hierzulande nicht aus. So kommt die Inflation auch flugs bei uns an. Zumal die Regierung in Peking auch auf die anhaltend hohe Inflation reagieren muss und auch bereit ist, an der Lohnschraube zu drehen. Wobei ein großer Teil der Lohnsteigerungen auch durch das begrenzte Maß an qualifiziertem Personal, durch das Spiel von Angebot und Nachfrage, erfolgt.

Alles in allem bleibt die Inflationsentwicklung auch durch die Dollar-Geldschwemme und die Preiseffekte bei Öl ein Dauerthema. Nicht zu vergessen ist hier auch die schwelende Euro-Krise. Als Anleger kann man da nur achselzuckend auf die eigene Rendite schauen und hoffen, dass auf Dauer nach Inflation und Steuer noch etwas übrig bleibt.


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