Die Lösung der Euro-Krise wird mit der Zeit nicht leichter

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Die Euro- oder EU-Staatsschulden-Krise ist das bestimmende Thema dieser Tage. Abseits von ausbrechenden Vulkanen, fiesen Bakterien oder überraschend bekanntgewordenen Orgien von Versicherungsvertretern bewegt die Frage nach der Zukunft unserer Währung die Gemüter.

Wie sehr das Thema vor allem in der Wirtschaft für Aufregung sorgt, zeigt eine aktuelle Befragung unter den Mitgliedern des Wirtschaftsrats. Von den 2.500 befragten Unternehmern gaben 52 Prozent an, dass die Europäische Schuldenkrise und die Stabilität des Euro eine sehr hohe Priorität habe, weitere 35 Prozent sehen darin zumindest eine hohe Priorität. Daneben erfahren nur das Energiethema und der Bereich Demografie und Fachkräftemangel ähnlich hohes Problembewusstsein. Es zeigt sich, dass die Politik eigentlich genügend Themen abzuarbeiten hat, denn nur dann läuft auch der Erfolgsmotor „deutsche Wirtschaft“ weiter rund. Je länger stattdessen die Probleme vor sich hergeschoben werden, desto schwieriger werden sie zu lösen sein.

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Schrieb ich vor rund zwei Wochen noch von eventuell kränkelnden Banken im Falle einer Umschuldung Griechenlands, so wissen wirheute, dass dies für die (deutschen) Geschäftsbanken handhabbare Risiken sind. Eine Mehrzahl der problembehafteten Staatsanleihen liegt schließlich inzwischen in der Bilanz der Europäischen Zentralbank. Für wie falsch dieser Schrittinzwischen von einigen Notenbankern angesehen wird, macht die Antrittsvorlesung des früheren Bundesbankchefs Axel Weber in Chicago deutlich. Er ging dort mit den beschlossenen Rettungsmaßnahmen hart ins Gericht. Manche würden gar die Gründungsprinzipien der Währungsunion unterlaufen, erklärte er – hört, hört. Die Kritik ist an sich nichts neues, doch der Absender überrascht dann doch. Vielleicht erklärt sich so aber auch der überraschende Weggang aus Frankfurt und der Verzicht auf die EZB-Präsidentschaft. Wenn man weiß, dass man künftig nur noch gegen seine Überzeugungen agieren kann, lässt man manche Aufgaben vielleicht besser gleich sein, mag sich Weber gedacht haben.

Doch zurück zu Griechenland: Die in dieser Woche angekündigten Privatisierungen sind umfassend und würden ein gutes Stück der Staatsschulden auffangen. Dennoch glaube ich nicht, dass sich die griechische Bevölkerung den Ausverkauf des eigenen Tafelsilbers einfach so gefallen lassen wird. Egal ob es um die Anteile an der griechischen Telekom OTE, der Postbank, dem Athener Flughafen oder an anderen Staatsunternehmen wie diversen Häfen, Gas- und Wasserversorgern, der Lotteriegesellschaft o.ä. geht – es wird bereits von einem Freibrief zum Plündern Griechenlands gesprochen.

[ad#Google Adsense L-links]Stattdessen wird Griechenland nicht um eine umfassendeStaatsreform herumkommen. Dinge wie ein Katasteramt, also etwas Vergleichbares wie das deutsche Grundbuch, sollten in einem Land der Eurozone Standard sein. Wenn dann das Steuersystem auch noch wirklich eine faire Besteuerung von Einkünften ermöglicht, dürfte man der Zukunft schon ein Stück näher sein. Neuerliche Debatten um einen Euro-Ausstieg lösen das Problem schließlich nicht. Wichtig wären endlich Entscheidungen, die auch an die Märkte kommuniziert werden können. Ein klares Bekenntnis zum Euro in seiner jetzigen Ausdehnung, verknüpft mit Reformen in den Krisenländern, einer Erneuerung der Stabilitätskriterien und einem Schuldenschnitt würde möglicherweise die Probleme lösen. Doch dies ist eine Kraftanstrengung, die man dem derzeitigen europäischen Führungspersonal nur schwer zutraut. Insofern muss man wohl leider davon ausgehen, dass das sinnlose Herumdoktern der vergangenen Monate auch in Zukunft weitergehen wird. Es sei denn, die Bürger in Athen und sonstwo in Europa machen deutlich, dass sie ein „Weiter so“ nicht wollen. Welche Macht der gemeine Bürger hat, zeigt ein Blick auf die Bankenstatistik. Seit Januar 2010 sind die privaten Geldeinlagen in Griechenland um mehr als 31 Mrd. Euro auf nun noch rund 165 Mrd. Euro gesunken. Die Abstimmung mit den Füßen dürfte auf Dauer nicht gut gehen, denn das Geld fließt mehrheitlich ins Ausland, anstatt in Griechenland selbst die Wirtschaft zu stärken.

Erst wenn das Vertrauen wieder zurückgekehrt ist, kommt auch das griechische Sparvermögen zurück. Wie man sieht, gibt es viele Chancen, das Euro-Blatt zum Guten zu wenden. Ob das gelingt, werden die nächsten Wochen zeigen…


4 KOMMENTARE

  1. Sodele langsam wirds eng. Der Euro geht langsam zu Grunde. Griechenland reisst uns in den Abgrund. Nach einem dreieinhalbstündigem Krisentreffen unter Vorsitz von Staatspräsident Karolos Papoulias gingen die Führer der im Parlament vertretenen Parteien am Nachmittag ohne Einigung auseinander. „Es gibt keinen Konsens“, sagte ein Gesprächsteilnehmer. Ich will doch stark hoffen, dass wir da keinen cent mehr hingehen.

  2. Ich denke schon, dass wir noch „ein paar cent“ nach Griechenland schieben werden… Aber ein Haircut und schließlich ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion ist imho keine Frage des „ob“ sondern nur des „wann“!

    Ich war ab der ersten Minute des Euro der Meinung: Eine Währungsunion, die keine echte Wirtschaftsunion mit gemeinsamer Wirtschaftspolitik und vergleicharer Wirtschaftsleistung der Mitglieder ist, ist Unsinn!

  3. Ich denke wie gesagt, dass noch so manche Milliarde auf den Weg nach Athen gehen wird… Und eine Lösung der Probleme wird immer wieder vertagt werden. Spannend wird nur sein, wann der Punkt kommt, wo das nicht mehr hilft. Ich fürchte, dass es sich nicht mehr um allzu viel Jahre handeln wird.

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