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Von Stresstests für die Weltwirtschaft, VW-Zahlen und anderen Erkenntnissen

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Ein interessanter Bericht kam dieser Tage heraus. Der Deloitte Global Economic Outlook. Laut diesem bleibt Deutschland Lokomotive der allmählichen Erholung der Euro-Zone und steht stellvertretend für das ökonomische Ungleichgewicht von "Kern-" und "Randstaaten" der Union. Insgesamt ist das prognostizierte Wachstum der Euro-Zone für 2011/2012 mit 1,7 bzw. 1,5 Prozent moderat. Die Inflation bleibt beherrschendes Thema in den aufstrebenden Volkswirtschaften Chinas, Indiens und Brasiliens. In den USA ist die wirtschaftliche Erholung von zahlreichen Risiken bedroht – manche dieser bergen aber auch Chancen. Düster sind die Aussichten für Japan: Standen die Dinge schon vor der Katastrophe nicht zum Besten, so scheinen die jüngsten Ereignisse die wirtschaftliche Entwicklung nochmals negativ zu beeinträchtigen. Den kompletten Report finden Sie unter http://www.presseportal.de/go2/stresstest zum Download.

Aber die meisten Anleger wollen solche Reports wohl nicht lesen. Lieber positive Nachrichten wie die jüngsten von VW. Kann ich auch verstehen. Denn der Konzern ist derzeit auf der Überholspur. So kletterte der Umsatz im Auftaktquartal 2011 um über 30 Prozent auf 37,5 Mrd. Euro. Und unter dem Strich hat der Konzern nach 473 Mio. Euro im Vorjahresquartal 1,7 Mrd. Euro Gewinn eingefahren! Wow – wer will da schon was von Inflation und düsteren Aussichten hören?

Dabei ist ein bisschen nachdenken gar nicht einmal verkehrt – gerade was die Schuldenproblematik angeht. Hierzu hat sich gegenüber dem Anlegermagazin ‚Börse Online‘ der Professor für Finanzwissenschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge in Freiburg, Bernd Raffelhüschen geäußert. Er holte quasi zum Rundumschlag gegen die internationale Finanzpolitik aus. "Außer in Norwegen und der Schweiz haben es die Politiker selbst in Zeiten höchster Steuereinnahmen in keinem Land geschafft, keine weiteren Schulden zu machen. Solange die Ausgaben nicht den Einnahmen angepasst werden, wird es zu Staatsschuldenkrisen kommen."

Eine stärker koordinierte Wirtschaftspolitik zur Entschärfung der Krise in Euroland ist seiner Meinung nach nicht zielführend, so der Experte gegenüber dem Magazin weiter. "Wir brauchen keine koordinierte Wirtschaftspolitik, wir brauchen Politiker, die mit dem Geld auskommen, das sie einnehmen", urteilte er. "Ein Politiker, der seinen Haushalt nicht in Ordnung bekommt, ist fehl am Platze."

Die von den EU-Staats- und Regierungschefs beschlossene Verschärfung des Stabilitätspaktes wird die Probleme Raffelhüschen zufolge ebenfalls nicht lösen können. "Die einzige Möglichkeit, die man wirklich hat, ist zu sagen, dass Länder, die es innerhalb einer gewissen Frist nicht schaffen, ihre Ausgaben den Einnahmen anzupassen, Euroland verlassen müssen", forderte er im ‚Börse Online‘-Interview. "Die Sanktionen müssen klar sein – wer seine Ausgaben auf Dauer nicht in den Griff bekommt, hat in der Euro-Zone nichts zu suchen." Die Deutschen sollten dabei allerdings nicht die Oberlehrer Europas spielen, da Bundesländer wie Bremen oder das Saarland innerhalb Deutschlands ähnliche Probleme hätten wie Griechenland oder Portugal auf EU-Ebene.

Interessant – aber wie schon gesagt: Wer will so etwas schon lesen oder hören – an einem Tag, an dem der DAX in Richtung Jahreshoch klettert und der MDAX ein solches neues markiert hat?


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