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Hummler zur Euro-Krise: Die Zeit für ein Umschuldung der PIIGS-Staaten ist günstig

[ad#Google Adsense XL-links]Die Anlagekommentare von Konrad Hummler von der Schweizer Privatbank Wegelin sind ja hier schon des öfteren Thema gewesen. In der März-Ausgabe des Anlagekommentars geht es diesmal um die drei großen Risiken dieser Tage: Japan, Libyen und Euro. Dabei ordnet er Libyen und Japan eher dem Euro-Problem unter. Er sieht durchaus die Chance, dass sich Japan mit Schwung aus der Krise erhebt und für die arabische Welt gibt er sich unentschieden, ob am Ende nicht doch alles beim alten bleibt, oder die Facebook-Generation doch eine Demokratisierung hinbekommt. Als Kernpunkt hält auch Hummler das Thema Öl im Blick. Besonders die wachsenden Großmächte Indien und China sieht er hier am Ruder, während „der Westen“ eher die Möglichkeit hat Öl anderweitig zu kompensieren.

Dreh- und Angelpunkt des aktuellen Anlagekommentars ist jedoch die Euro-Krise. Letztlich seien die Milliarden des Rettungsfonds doch zu wenig, um alle Staaten zu retten. Weshalb er davon ausgeht, dass man an einer Umschuldung der kriselnden PIIGS-Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien nicht herumkommt. Einen guten Zeitpunkt hierfür sieht er derzeit:

Es ist ganz offensichtlich, dass die Umschuldung, das heisst das geordnete Verfahren zur Bewältigung der Zahlungsunfähigkeit, vom Markt schon weitgehend vollzogen worden ist. Gewiss, in den Bilanzen von einigen ganz- oder halboder gar nicht privatwirtschaftlichen Banken ergäbe sich noch Bereinigungsbedarf bei den Bewertungen. Aber auch hier gilt: Die Fehlbewertung steckt nur in den Buchhaltungen, durch die Märkte ist sie derzeit jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit schon eingepreist! Folglich würde es ja lediglich noch darum gehen, die notwendigen Impairments und Strukturbereinigungen mit den durchaus vorhandenen Instrumenten von Notenbank und Aufsicht zu vollziehen. Wie gesagt: Einen günstigeren Zeitpunkt wird es kaum mehr geben.

Allerdings glaubt auch Hummler nicht daran, dass die Euro-Staaten diesen Schritt wirklich gehen werden. Ein Herumlavieren hält er stattdessen für wahrscheinlicher. Er verweist im übrigen auch auf die dann mögliche Dominanz Deutschlands, die er für viele Staaten als nicht unproblematisch erachtet.

Der theoretische Part des Anlagekommentars beschäftigt sich diesmal mit den „impliziten Grundvermutungen“, die die Basis vieler Marktpreise, auch an der Börse beeinflussen. Über lange Zeit hielten sich verschiedene Grundannahmen im Markt, die letztlich doch falsch waren, in dieser Zeit aber die Marktpreise aber falsch beeinflusst, quasi verfälscht hätten. Als großes Beispiel hierfür nennt Hummler die Fehleinschätzung, dass die Eurostaaten für einander einstehen, obwohl dies vertraglich nicht vorgesehen ist. Als dieses Einstehen für einander tatsächlich nötig geworden wäre, drehte die Stimmung und es bildeten sich die drastischen Unterschiede bei den jeweiligen Risikoaufschlägen. Soviel zur Rationalität von Märkten.

Zum Schluss noch ein Buchtipp für verregnete Frühlingstage: Die Anlagekommentare aus Hummlers Feder wurden nun gesammelt, redigiert und in Buchform gegossen. Darin geben sie einen tiefgründen Einblick in die Zeit von 1990 bis 2010. In der Kurzbeschreibung des Buches ist die Rede von seiner „spitzen Feder“ und seiner grossen „intellektuellen Unabhängigkeit“ – das kann ich hier nur bekräftigen. Absolut lesenswert!


1 Kommentar zu Hummler zur Euro-Krise: Die Zeit für ein Umschuldung der PIIGS-Staaten ist günstig

  1. Super Artikel. Würde gern mehr Artikel zu dem Thema sehen. Ich freue mich schon auf die naechsten Posts.

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