Die Fed spielt Frau Holle

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Tja, das war schon ganz großes Kino gestern Abend. Die Fed kündigt an, mal eben 1,15 Billionen Dollar über die Märkte auszuschütten und die Wall Street dankt es sofort mit einem deutlichen Kursanstieg. Auch hierzulande werden heute getreulich Aktien gekauft und damit der DAX nach oben getrieben. Die Frage ist nur, wie lange noch. Denn wenn man sich die FOMC-Mitteilung mal etwas genauer anschaut, wird einem erstmal bewußt um was es geht. Man will die Deflation um alles in der Welt verhinden, darauf deutet aber die derzeitige Wirtschaftsentwicklung. Tja also werden die Geldhähne aufgedreht, weil die Zinshähne schon seit einiger Zeit bis zum Anschlag offen sind. Nun es ist nichts überraschendes, bereits seit Wochen warten die Märkte auf den Startschuss

Wie Frau Holle einst ihre Kissen ausschüttelte, versucht nun die Fed ihr Geld unters Volk zu bringen. Gekauft wird fast alles: weitere 750 Mrd. Dollar für Hypothekenbesicherte Anleihen (MBS), weitere 100 Mrd. Dollar für Agency Debt, also Papiere von öffentlichen Schuldern, womit die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, aber auch der Studiekrediteanbieter Sallie Mae gemeint sind, sowie 300 Mrd. Dollar für langlaufende Staatsanleihen. Wie das im einzelnen funktionieren soll, versucht Olaf Storbeck im Handelsblatt zu erklären. Wenngleich ich den Begriff „unkonventionelle Geldpolitik“ nicht treffend finde, denn Geldmengenausweitung ist in meinen Augen eher ein Griff in die Mottenkiste, aber gut.

Besonders der Aufkauf der langlaufenden Staatsanleihen wird mittels der Ausweitung der Geldmenge zu Inflationstendenzen führen, weshalb die Aktien-Rohstoffmärkte das mit steigenden Kursen wettzumachen versuchen. Mit einer realen Erholung der Wirtschaft hat das nichts zu tun. Das sieht selbst die Fed so. Und auch hierzulande ist der Himmel weiter eher schwarz als grau. So erwartet der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, für 2009 einen BIP-Rückgang von mehr als 4 Prozent. Apropos Ökonomen: Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, hat heute dann mal gleich erklärt, dass die EZB nun auch nicht anders könne und es der Fed nachtun müsse. Gegenüber dem Handelsblatt erklärte er: „Sie [Die EZB] muss alle ihre gegebenen Mittel einsetzen, um die Herausbildung einer Deflation im Vorfeld zu verhindern.“ Dazu gehöre seiner Ansicht nach auch, dass die EZB im Zuge eines „quantitative easing“ im Umlauf befindliche Wertpapiere aufkauft, darunter auch Staatspapiere. Nun warten wir mal ab, ob die EZB auf den Rat von Gustav Horn angewiesen ist, ich hoffe nicht. Denn sowohl zu billiges, als auch zu viel Geld ist letzlich Hauptauslöser für die derzeitige Krise und kann daher nicht mit noch mehr davon bekämpft werden. Aber zur Bekämpfung der Krise habe ich ja schon genug geschrieben. Warten wir ab, was noch alles passiert. Papiergeld war schon immer schön – anzuschauen. Die Zeiten sind wahrlich alles andere als langweilig.


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