Der Bankenverband versucht sich in Optimismus – Zahl der Wertpapierdepots weiter rückläufig

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In Anlehnung an mein Loblied auf die Aktie möchte ich auf eine Pressemitteilung des Bankenverbands hinweisen. Darin heißt es:

„Etwa jeder dritte Deutsche verfügt über ein Wertpapierdepot. Rund 27 Millionen Depots besaßen die privaten Haushalte in Deutschland 2010. In diesen lagen Wertpapiere im Wert von 783 Milliarden Euro.“

So erfreulich das ganze auf den ersten Blick klingt, so sehr geht die Behauptung wohl auch an der Realität vorbei. Glaubt man den Zahlen des Deutschen Aktieninstituts waren im zweiten Halbjahr 2010 8,2 Millionen Anleger in Deutschland direkt oder indirekt in Aktien investiert. Demzufolge müsste also jeder Anleger mindestens drei Depots sein Eigen nennen. Aus eigener Beobachtung in meinem Bekanntenkreis kann ich sagen, dass viele Anleger noch immer „leere“ Depots mit sich tragen. Insofern dürften also beide Zahlen korrekt sein, wenn die Aussage auch deutlich schlechter ist, als gedacht.

Berücksichtigen sollte man bei der Betrachtung allerdings auch die Schuldverschreibungen, die vom DAI nicht berücksichtigt wurden. Laut Bankenverband machen Investmentfonds rund die Hälfte des Wertpapiervermögens der privaten Haushalte in den Depots aus.

„Aktien stehen dagegen in der Gunst der Anleger weit hinten. Auf sie entfallen 172 Milliarden Euro, das heißt gut ein Fünftel der Wertpapiere. Schuldverschreibungen, zu denen neben festverzinslichen Wertpapieren wie Bundesanleihen und Pfandbriefe auch Zertifikate zählen, kommen auf 224 Milliarden Euro.“

Somit wird auch deutlich wie gering mittlerweile die Aktie an sich Wert geschätzt wird.

Um eine Entwicklung zu betrachten, wären ältere Vergleichsdaten praktisch gewesen. Diese werden vom Bankenverband aber nicht angeboten. Mit etwas Suche findet man bei der Zeitschrift Die Bank noch Zahlen von 2007 und 2008. Laut dem Stichwort Wertpapierdepots sank „die Zahl der Wertpapier-Kundendepots […] 2007 von gut 30,1 Mio. auf 29,7 Mio.“ Damit hätte sich die Zahl der Wertpapierdepots also innerhalb von drei Jahren um knapp 10 Prozent verringert. Damit wird der Abwärtstrend bei den Aktienanlegern auch bei der Zahl der Depots deutlich sichtbar.

Alles in allem sieht es für die Aktienkultur in Deutschland weiterhin düster aus. Von politischer Seite ist hier keine Hilfe zu erwarten. Hier will man die Anleger weiter in Produkte der Finanzindustrie treiben – konkret diesmal mit Steuervorteilen für Altersvorsorge-Fonds. Zwar hat der Finblog hier positive Renditeeffekte im Vergleich zu jetzt ermittelt, aber es ginge doch alles viel einfacher und flexibler. So wäre ein jährlicher Freibetrag von bspw. 1.000 Euro für Spekulationsgewinne und eine Steuerfreiheit für Anlagen die eine längere Zeit gehalten wurden – Zeiträume von ein, zwei oder fünf Jahre – sicher praktikabel und der Aktienkultur deutlich zuträglicher, als sonstige Maßnahmen. Zum Schluss möchte ich noch auf die sehr interessante Diskussion im ARD-Börse-Blog hinweisen: Sollten die Deutschen nicht mehr Aktien kaufen?. Die Meinungen machen teilweise durchaus Mut, zeigen aber auch, wieviel Vertrauen noch (zurück)gewonnen werden muss.


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