Schwellenländer-Anleihen ein gewagtes Spiel? (Teil 2)

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Fortsetzung von Teil 1…

… wichtiger ist, dass sich die Gewichtsverschiebung in der Weltwirtschaft und auch im politischen Einfluss stark beschleunigt hat. Die strukturellen Probleme der Industriestaaten
sind deutlich zutage getreten, und dass die wirtschaftlichen Perspektiven für die Emerging Markets deutlich besser sind, ist mittlerweile weitgehend unbestritten.

[ad#Google Adsense L-rechts]Die Krisengefahr in den Emerging Markets ist moderat, da hier die öffentlichen und privaten Schuldenstände deutlich niedriger und die Bankensysteme in besserer Verfassung sind als in den Industriestaaten. Dies hat zur Folge, dass Unternehmen Absatzmärkte immer stärker in den Emerging Markets suchen und ihre Produktion dorthin verlagern werden. Es ist ein sich selbst verstärkender Prozess. Um es auch in anderen Worten zu sagen: „Die vergangenen zwei Jahre waren ein einziger Stresstest für sämtliche Volkswirtschaften der Welt. Asien und Lateinamerika haben diesen mit Auszeichnung bestanden. Das Jahr 2010 markiert damit einen Meilenstein auf dem Weg, Investoren von der Wachstumsstory der Emerging Markets zu überzeugen“, zitieren wie einmal wieder die Dekabank.

Analysten sehen weiter die Erfolgsstory

Und diese Erfolgsstory könnte weitergehen. Die Volkswirte der Weltbank beispielsweise trauen den Schwellenländern in diesem Jahr ein Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt von im Schnitt 6,1% zu. 2011 sollen es 5,9% werden und 2012 erneut 6,1%. Schon 2015 wird das laut Weltbank den Schwellenländern ein höheres Gewicht in der Weltwirtschaft bescheren als den entwickelten Ländern.

Auch den Experten von Allianz Global Investors erscheinen die Renditen von Anleihen aus Schwellenländern attraktiver als die historisch niedrigen Renditen von Anleihen vieler Industriestaaten. Durch ihre stark wachsenden Binnenmärkte und hohen Devisenreserven entwickelten sie sich zum neuen Stabilitätsanker, heißt es in einem Papier.

Fazit:

Industriestaaten gelten als solide Schuldner, Schwellenländer als risikoreich. Das hat mit der Wirklichkeit allerdings nur noch wenig zu tun. Industrieländer, die ihre über Jahre hinweg angehäuften Schulden abtragen müssen, haben derzeit weniger Möglichkeiten, ihr Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Schwellenländer hingegen könnten in den nächsten Jahren davon profitieren. Sie sind nicht durch hohe Schulden vorbelastet wie Europa, die USA und Großbritannien. Die Verschuldungsquote vieler Schwellenländer liegt unter 40%, während sie in den Industrieländern über 100% beträgt.

Dennoch: Trotz der beschriebenen Pluspunkte sollten die Gefahren nicht ausgeblendet werden. Diese bestehen zum einen in teilweise noch immer recht hohen politischen Risiken, zum anderen in der wachsenden Gefahr von Kapitalverkehrskontrollen.

Letzteres ist nicht aus der Luft gegriffen, hat Südkorea doch im Juni die Summe der von Banken gehaltenen Währungsderivate limitiert, Indonesien wiederum führte zuletzt eine Mindesthaltedauer für kurzfristige Zinspapiere ein, und Brasilien hat bereits im Oktober 2009 eine Steuer von 2% auf Aktien- und Anleihenkäufe aus dem Ausland eingeführt. Vor allem aber dürfen die mit dem hohen Mittelzufluss in die Region selbst verbundenen hohen Risiken nicht vergessen werden. Denn das kann durchaus zu fehlgeleiteten Investitionen und dem Entstehen von Blasen beitragen…


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