Heard in New York: Die Rückkehr des Dot-Com-Fiebers

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Das noch neue Jahrzehnt hat eine schon überwunden geglaubte Krankheit namens „DotCom-Fieber“ wieder an die Märkte zurückgebracht. Der Glaube an die neuen „Wunderkinder“ aus Silicon Valley und sonst wo treibt das Geld in die vermeintlichen Internet-Klitschen. Aus Unternehmen, die nicht mehr als ein paar Bytes hin und her schieben, sind so – mal wieder – Milliarden-Unternehmen geworden. Das alles kennt man schon und hat es vor zehn Jahren schon einmal geglaubt, doch was ist aus dem unangreifbaren AOL geworden? Oder Yahoo! ist heute eine Randerscheinung, über myspace sprechen nur noch Insider…

Ein Grund mal auf die aktuellen Stars zu werfen. Die Frage ob diese nachhaltiger sind als die Stars von vor zehn Jahren wird man erst in einigen Jahren beantworten können. Dennoch gibt es auch heute schon Unterschiede. Zumal die meisten Unternehmen erst noch an die Börse gehen wollen.

Fieberpatient Nummer Eins: Facebook

Dreh- und Angelpunkt des DotCom-Fiebers ist derzeit Facebook. Das Social Network hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einen zweiten Internet entwickelt. Keine Website, kein Internetshop, selbst TV-Sender greifen auf Facebook-Unterstützung zurück. Doch wie nachhaltig ist das Ganze? Derzeit kann sich niemand eine Online-Welt ohne Facebook mehr vorstellen. Allerdings ist Facebook auch mehr ein Sammelbecken für viele einzelne Anwendungen. Wenn jemand anderes entsprechend attraktivere Möglichkeiten anbietet, kann es mit Facebook schneller vorbeisein, als gedacht. Es muss nur in einigen Jahren etwas ganz neues Revolutionäres entwickelt werden. Dann kann Facebook wieder veraltet sein.

[ad#Google Adsense XL-links]Dennoch lohnt sich ein Blick auf das Unternehmen Facebook. Nach den jüngsten Transaktionen wird Facebook mit rund 50 Mrd. Dollar bewertet (Handelsblatt). Angesichts eines Umsatzes von nicht mal 2 Mrd. Dollar ganz schön heftig. Und Gewinne erzielt man zwar auch, aber längst nicht in einem Maße, dass diese Bewertung gerechtfertigt wäre. Die Gewinne stehen und fallen mit dem Werbemarkt. Geht es dem schlecht, geht es auch Facebook schlechter. Zwar wuchs der Online-Werbemarkt zuletzt immer mehr, aber dennoch ist Facebook längst allein auf diesem attraktiven Markt unterwegs. Stichwort: Google. Zudem ist eine Abhängigkeit von einem Erlösmodel immer schlecht. Allerdings agiert Facebook bislang mit dem Werbegeschäft sehr vorsichtig und erfolgreich.

Die Bekanntheit der Marke Facebook ist daneben das Pfand, mit dem zumindest das ganze Unternehmen auch zukünftig wuchern und der Laden am Laufen gehalten werden kann. Denn mit rund 650 Millionen Nutzern ist man auf der ganzen Welt bekannt und hat die Möglichkeit abseits des Social Networks neue Erlösquellen aufzutun. In Sachen Börsengang dürfte Facebook also erst einmal das absolute Highlight sein. Die hohe Bewertung im Vorfeld wird allerdings den einen oder anderen hindern einzusteigen. Dennoch wird Facebook für lange Zeit auch an der Börse ein gefragter Knaller sein. Von daher sollten interessierte Anleger für das zweite Halbjahr schon mal ein bisschen Geld beiseite legen.

Fieberpatient Zynga

Facebook ohne seine Spiele wäre wohl nur halb so erfolgreich. Zynga liefert mit FarmVille das erfolgreichste Spiel in Facebook. Mit immer neuen Spielen, wie nun etwa CityVille, bindet man die User an sich und zieht einem gewissen Prozentsatz an Spielern richtiges Geld für Spielgeld aus der Tasche. Diese erkaufen sich so Vorteile, die normale User sonst gar nicht oder nur durch langes Spielen erhalten. Das Geschäftsmodell funktioniert derzeit sehr gut, da Social Games derzeit gefragt sind. In den USA ist die Rede von Gewinnmargen von um die 30 Prozent und solange die Programmierer immer wieder neue, Spiele entwickeln, könnte Zynga weiter gutes Geld verdienen. Aktuell wird das Unternehmen mit rund 5,5 Mrd. Dollar bewertet. Ein Termin für einen Börsengang ist noch nicht bekannt, aber vielleicht wird das Unternehmen zuvor auch von einem anderen Internetkonzern oder Spiele-Hersteller geschluckt.

Fieberpatient Groupon

Das Thema Einkaufen im Internet ist nach wie vor eines der Megathemen für die nächsten Jahre. Neben Platzhirsch Amazon haben sich zahlreiche Nischenspezialisten etabliert. Während die einen vorrangig spezielle Branchen bedienen, setzen die anderen auf bestimmte Preiskategorien oder eben wie Groupon auf die Verbindung von lokalen Einzelhändlern mit dem Internetuser vor Ort. Wenn eine gewisse Anzahl an Deals zustande kommt, gibt es satte Rabatte für die User. Lokale Einzelhändler sichern sich so ihr Auskommen und bleiben so im Gespräch und Internetuser haben mal wieder ein Schnäppchen gemacht. Groupon wiederum verdient dabei jedes Mal mit und konnte bislang satte Gewinne einfahren, weshalb aber auch andere Anbieter das Geschäftsmodell kopieren. Groupon versucht daher – auch mit Blick auf die aktuelle Bewertung von fast 5 Mrd. Dollar – noch in diesem Frühjahr an die Börse (FTD) gehen. Schließlich kann man auch hierdurch seine Marktstellung auszubauen. Da Groupon auch der erste der großen Börsengänge sein dürfte, steht einem Erfolg an der Börse zumindest nichts im Wege.

Fieberpatient Twitter

[ad#Google Adsense L-rechts]Der 140-Zeichen-Dienst Twitter ist zwar seit rund zwei Jahren ein beliebtes Kommunikationsmittel. Allerdings sorgt das fehlende Erlösmodell für wenig Optimismus, was einen Börsengang angeht. Die Bewertung liegt bei nicht mal 4 Mrd. Dollar. Dennoch ist die Bekanntheit, nicht erst durch die zahllosen Stars und Sternchen, die per Twitter ihren Alltag in die Welt tragen, ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Da Twitter zudem auch mit vielen anderen Angeboten verknüpfbar ist, verwandelt es sich also immer wieder. Insofern steckt in Twitter vielleicht doch mehr, als viele Anleger derzeit noch glauben. In diesem Jahr wird aber sicher noch kein Börsengang stattfinden können, da das Gewinnthema nicht so schnell gelöst werden wird.

Fazit: Genug Geld ist da, doch investieren…?

Die Zahl der Unternehmen, die bereits auf dem IPO-Markt Schlange stehen, wird wie man sieht nicht kürzer. In der zweiten Reihe stehen noch zahllose weitere Schnäppchenportale, Vergleichsseiten usw., die nur darauf warten von den Anlegern entdeckt zu werden. Hinzukommt, dass durch die Krise Unsummen an Geldern nur darauf warten neu angelegt zu werden. Wenn Groupon im Frühjahr einen guten Börsenstart hinlegt, dürfte dies der Startschuss für zahlreiche weitere Börsengänge gewesen sein. Für Anleger ergibt sich dann wieder die Qual der Wahl. Luftnummern müssen von Geld-Druck-Maschinen abgegrenzt werden und dennoch kann man schon jetzt sagen: Die aktuellen Bewertungen dürften noch nicht das Ende der Fahnenstange sein und so ist der Absturz schon jetzt vorprogrammiert. Ein ähnliches Debakel wie 2000/2001 dürfte aber diesmal ausbleiben, dazu ist das Thema dann doch noch in zu schlechter Erinnerung. Aber warten wir es ab…


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