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Oliver Kahn über seine Anlagestrategie, Geld, Aktien und Gold

Dass Oliver Kahn ein weltklasse Torwart ist, dürfte weitgehend bekannt sein. Dass er aber auch andere Qualitäten hat, dürfte eher weniger bekannt sein. Wie am Donnerstagabend der Auftritt bei Harald Schmidt gezeigt hat, hat Kahn aber auch in Sachen Motivation und Coaching einiges auf dem Kasten. Aber auch das Thema Geldanlage ist im nicht fremd, wie ein Interview im Handelsblatt zeigt.

Nach ersten durchwachsenen Erfahrungen mit Banken hat er schnell gemerkt, dass man sich selbst schlau machen muss. Sein Wissen bezog er in der Folge vor allem aus Büchern. Als wichtigen Leitsatz nennt Kahn:

Wenn du versuchst schnelle Gewinne zu erzielen, dann hast du auch schnell kein Geld mehr. Es ist sinnvoller, Vermögen langfristig aufzubauen, indem man es auf verschiedene Bereiche aufteilt.

Insgesamt sieht er sich als konservativen Investor, nicht so sehr als nervöser Spekulant. Dass man dabei nicht immer erfolgreich ist, zeigt die Anekdote über den Kauf von Bombardier-Aktien:

Eigentlich ein gutes Unternehmen. Der Aktienkurs hat sich zwischenzeitlich verdreifacht oder vervierfacht. Ich habe die Aktie gehalten, auch als der Kurs fiel, am Ende war ich wieder bei meinem Einstiegskurs angekommen. Das war etwas unangenehm.

Die Finanzkrise hat Kahn im Übrigen ganz gut gemeistert.

Den Aufschwung auf 8 000 im Dax habe ich nicht mehr mitgemacht. Ich habe vor etwa fünf Jahren alle Aktien verkauft. Ich hatte einfach ein ungutes Gefühl. Mir ist damals das Buch ‚Geld, Gold und Gottspieler‘ in die Hände gefallen – ein sehr interessantes Buch, darin wurde sehr schön vorausgesagt, was wir heute sehen.

Dabei ist Kahn seit der Krise vorsichtiger und hat seither keine Aktien mehr angefasst. In den schlimmsten Zeiten hatte auch er Angst davor in die „totale Katastrophe [zu] schlittern – Staatsbankrott, Zusammenbruch des Währungssystems, all diese Themen.“ Und auch heute zeigt sich Kahn von den hohen Staatschulden nicht sehr begeistert.

Ich bin immer noch skeptisch, wie es weitergehen soll. Es ist die zentrale Frage, wie die Schulden der Staaten jemals wieder zurückgezahlt werden können. Wenn ich es richtig verstanden habe, können sich Staaten entweder über Wachstum oder Inflation entschulden. In Deutschland ist es ein zartes Wachstum, in Amerika nicht einmal das.

Das Thema Inflation ist daher auch für ihn ein Thema. Als Anlageformen hat er deshalb vor einiger Zeit vor allem auf Gold gesetzt, aber auch auf Anleihen und Immobilien. Generell hält er aber trotzdem auch Aktieninvestments für sinnvoll.

Beim Handelsblatt findet man den gesamten Text: Oliver Kahn im Interview: „Ich bin skeptisch, wie es weitergehen soll“.

Wer noch etwas mehr über das Anlegerverhalten von Oliver Kahn wissen möchte, sei auch auf einen Blogbeitrag vom Oktober 2008 an andere Stelle hingewiesen: Die Hintergründe der Finanzmarktkrise oder warum Olli Kahn keine Aktien mehr hat. Kahn hatte damals in einem Kerner-Interview auf die auf diesem Blog bereits häufiger erwähnten Österreicher verwiesen. Konkret ging es auch damals schon um das 2004 erschienene Buch “Geld, Gold und Gottspieler – am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise” von Roland Baader.

An dieser Stelle sei auch auf die sehr gute Artikelserie „Österreichischer Herbst“ bei Weissgarnix hingewiesen. Neben eigenen Artikeln werden dort auch Gastartikel von prominenten Vertretern der österreichischen Schule wie etwa Michael von Prollius (Gutes Geld kommt vom Markt, nicht vom Staat) gepostet. Absolut lesenswert!


3 Kommentare zu Oliver Kahn über seine Anlagestrategie, Geld, Aktien und Gold

  1. Wenn ich so wohlhabend wäre wie Oliver Kahn, würde ich einen Teufel tun und das Geld spekulativ anzulegen. Insofern macht er mit Gold und Immobilien alles richtig. Mit einem Teil des Geldes kann man ja auch ruhig ein wenig (mit Aktien) herumspielen, aber den Löwenanteil würde ich ganz konservativ anlegen.

  2. Ein bisschen habe ich mich beim Lesen des Interviews erschreckt, dass Oliver Kahn keine originelleren Gedanken zum Thema hinkriegt. Aber wahrscheinlich sind meine Erwartungen an ihn zu hoch. Was Dummes hat er ja auch nicht gesagt (oder getan…). 😉

  3. Marc Schmidt // 20. Oktober 2010 um 10:50 //

    Naja er ist jetzt wahrlich kein zweiter Kostolany 😉 aber das braucht er auch nicht zu sein… Kahn ist einer der wenigen Prominenten, die auch mal öffentlich über das Thema Geldanlage sprechen und das nicht nur im Zusammenhang mit „angedrehten“ faulen Ost-Immobilien oder Lehman-Anleihen, wie manche andere. Von daher fand ich das Interview durchaus gelungen, denn es zeigt, dass auch Leute wie Kahn ähnliche Probleme haben wie der Kleinanleger im Reihenhäuschen. Für die Förderung einer Geldanlagekultur jenseits des Sparbuchs finde ich solche Aktivitäten durchaus wichtig…

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