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Goldman Sachs-Zahlen, die Erwartungen an Apple, die Konjunktur und die Frage wie es weitergeht

Wow, was für ein Handelstag. Bis zum späten Mittag sah eigentlich alles gut aus, Doch dann kamen sie. Die Quartalszahlen von Goldman Sachs. Nur die wenigsten hatten mit guten Ergebnissen gerechnet. Die meisten mit schlechten. Dass diese aber so mies auffallen würden, hatten wohl nur sehr wenige erwartet: Das Ergebnis von Goldman ist in den letzten drei Monaten um über 80% eingebrochen. Turbulenzen an den Kapitalmärkten und Sonderbelastungen haben dazu geführt, wie man als offizielle Begründung lesen konnte.

"Das Marktumfeld wurde während des zweiten Quartals schwieriger, und daher ging die Kundenaktivität über unsere Geschäftsfelder hinweg zurück", sagte Bankchef Lloyd Blankfein. In dem Ergebnis sind allerdings Einmaleffekte enthalten. Die Bank zahlte in einem Vergleich 550 Mio. Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC und für eine einmalige britische Steuer auf Boni 600 Mio. Dollar. Ohne diese Effekte hätte der Gewinn bei 2,75 Dollar je Aktie gelegen.Genau an dieser Stelle kommt einmal mehr wieder die Frage auf: Sind (US-)Bankaktien wirklich ein gutes Mittel, sein Vermögen nachhaltig zu verbessern? Die Frage stellt sich allein schon vor dem Hintergrund, dass der US-Kongress ja eine radikale Überarbeitung der Finanzmarktregulierung verabschiedet hat. Und diese wird (nicht nur) Goldmann treffen. Und wenn es Beschränkungen von Investitionen in Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften gibt, werden die Aktivitäten von mancher Trading and Principal Investments-Abteilung der Banken mächtig Probleme bekommen. So wie es bisher lief, wird es dann in den USA nicht mehr laufen.

Goldman hat also den Markt schon geschockt, warten wir mal auf den Börsenschluss an der Wall Street und auf die anschließenden Zahlen von Apple. Diese dürften gut ausfallen, ob sie aber die seit Wochen immer wieder aufkommende Diskussion um das Double Dip unterdrücken können, glaube ich nicht. Die letzten Konjunkturdaten aus den USA waren schlecht. Ganz einfach gesagt. Und auch diverse Indizes und Studien bei uns belegen, dass die Stimmung noch lange nicht so gut ist, wie es uns die Börse immer wieder vormachen will.

Vertriebsfachleute beispielsweise haben ihr Ohr am Puls der Konjunktur, denn sie sind für Angebote und Umsätze der Unternehmen verantwortlich. Und in der Einschätzung des Vertriebs erhält der wirtschaftliche Steigflug erstmals seit zwölf Monaten einen Dämpfer: Der auf Basis der Auftragslage gebildete Sales-Indikator verliert im zweiten Quartal 2010 an Dynamik und fällt um zwei Punkte zurück auf 46,43. Das unsichere wirtschaftliche Umfeld spürt auch der Vertrieb in Deutschland: Während sich die Auftragslage im ersten Quartal 2010 deutlich aufhellte und das Vertriebsklima mit 48,44 Punkten ein 3-Jahres-Hoch erreichte, sind die Ergebnisse für das zweite Quartal erstmals seit einem Jahr leicht gefallen.

Für den Indikator wertet die Personalberatung Xenagos quartalsmäßig die Telefoninterviews mit ausgewählten Befragten aus rund 20.000 Vertriebsfachleuten aus: Sind Neugeschäft und Angebotshöhe auf gleichem Niveau wie bisher? Ist das Geschäft besser geworden oder gab es Einbußen? Aus der Differenz von Verbesserungen und Verschlechterungen wird der Xenagos Sales-Indikator gebildet. Bei der Neukundenquote konnte das Vertriebsklima kräftig zulegen: 59,2 Prozent der Befragten konnten Ihr Neugeschäft verbessern und nur 6,1 Prozent berichten von schlechteren Ergebnissen als im Vorquartal. In Bezug auf die Angebotshöhe aber berichten nur 53,0 Prozent der Vertriebler von besseren Werten – vor drei Monaten waren es noch 62,5 Prozent. Demgegenüber sprechen 13,3 Prozent (8,6 Prozent im ersten Quartal) von einer fallenden Angebotshöhe. Damit rutscht dieser Teilindikator um 14,2 Punkte auf 39,7 ab.

Besonders hart getroffen ist der Handel: In diesem Sektor schmiert das Vertriebsklima um 22,42 Punkte regelrecht ab, während Dienstleistung (+2,70) und Produktion (+6,94) moderat zulegen konnten. Führungskräfte schätzen ihr Umfeld auch dieses Mal deutlich positiver ein als die Vertriebsleute mit direkter Kundenverantwortung: Bei den Vertriebsleitern stieg der Indikator noch leicht um 1,6 Punkte auf 64,10. Bei Verkäufern ohne Führungsverantwortung hingegen fiel der Wert um 8,75 Punkte auf 33,67 und weist somit auf eine deutliche Eintrübung des Vertriebsklimas hin.

In wie weit “eine deutliche Eintrübung” am Aktienmarkt schon vorherrscht wissen wir nicht. Charttechnik hin oder her. Denn das Auf und Ab wird uns wohl in den kommenden Tagen und Wochen erhalten bleiben. Dank der Earning Season.


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