Warum die Spekulationsfrist bei Gold eigentlich nicht zu beachten ist

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Die Berichtssaison hat nun ja bekanntlich angefangen und die ersten Daten sehen augenscheinlich gut aus. Alcoa und Intel – viele Börsianer sind begeistert. Am gleichen Tag, an dem die Börse das beste Quartalsergebnis überhaupt von Intel feiert, kommen aber auch wieder mahnende Stimmen auf, die nicht nachlassen, die aktuelle Schuldenproblematik der Staaten vergessen zu lassen.

Ich meine damit die jüngste Abstufung Portugals durch Moody´s. Staatsanleihen des Landes erhalten nun nur noch ein Rating von A1 nach zuvor Aa2. Würden die nötigen Strukturreformen nicht mittel- bis langfristig für eine Veränderung sorgen, so könne auf eine Verbesserung im Wachstum des Landes nicht spekuliert werden, hieß es seitens der Ratingagentur. Der Risikoaufschlag macht sich da gleich bemerkbar. Der Abstand zu vergleichbaren deutschen Papieren liegt mittlerweile bei 290 Basispunkten.

An diesen Zahlen sieht man klar, dass die Schuldenproblematik in der Euro-Zone unverändert brisant ist – auch wenn der Aktienmarkt in diesen Tagen diese Tatsache völlig ignoriert. Es ist daher unverändert völlig richtig, ein Teil seines Vermögens in Sicherheit zu wissen. In einem Investment in (physischem) Gold.

Fakt ist: Keine Abgeltungssteuer auf Gold

Gerade in den letzten Tagen kam wieder mal das Thema Abgeltungssteuer im Zusammenhang mit Gold-Investments vermehrt auf. Ich möchte dies hier einmal kurz erläutern. Fakt ist: Auf Gold müssen sie keine Abgeltungssteuer bezahlen. Denn diese greift generell nicht bei "Sachwerten", wie eben Gold, Schmuck, Kunst oder Immobilien. Das ist mehr als positiv, denn Sie sparen den Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Dafür „müssen“ sie, wie der Bundesverband deutscher Banken jüngst schreibt, auf die Spekulationsfrist achten. Das stimmt. Aber da Sie ja ein realistisch und langfristig denkender Gold-Anleger sind, fällt auch diese für Sie weg. Denn Sie werden wohl kaum in den kommenden 12 Monaten „Kasse machen“ wollen bei Ihrem Gold. In diesen 12 Monaten wird noch so viel am Markt passieren, dass es sträflich wäre, sein Gold zu diesen niedrigen Preisen zu veräußern.

Die Sache mit den Goldmünzen

Aber ich will an dieser Stelle nicht spekulieren, was Sie mit Ihrem persönlichen Gold machen wollen. Es steht Ihnen völlig frei, daher ein paar Fakten zur Spekulationsfrist bei Gold. Bei Verkäufen von Gold in Form von Münzen oder Barren beträgt sie nach wie vor zwölf Monate, wenn Sie die Veräußerungsgewinne steuerfrei haben wollen. Ausnahme: Die jährliche Freigrenze von 600 Euro wird nicht überschritten.

Auch gut zu wissen: „Goldbarren und Goldmünzen, die nach 1800 geprägt wurden, gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und deren Marktpreis sich im Wesentlichen nach ihrem Goldgehalt bestimmt, zählen zum so genannten Anlagegold und können mehrwertsteuerfrei erworben werden. Das Bundesfinanzministerium verzeichnet in einer Liste, die auch über das Internet aufgerufen werden kann, gängige Goldmünzen, die zum Anlagegold zählen“, so der Verband weiter.

Vorsicht bei anderen Gold-Anlagen

Ich rate Ihnen nicht umsonst in jeder Ausgabe, möglichst in Edelmetalle, sprich auch Gold in physischer Natur zu investieren. Vielerorts können Sie die „goldenen Tipps“ lesen, doch einfach in Goldfonds zu investieren. Man habe da auch die gleichen oder besseren Renditen. Die Tipp-Geber vergessen nur stets zu schreiben, dass man bei jedem ETF-, Fonds- oder Derivate-Produkt auf Gold mit der Abgeltungssteuer zur Kasse gebeten wird. Selbst dann, wenn Sie den Fonds über 12 Monate halten. Das Gleiche gilt auch für das XETRA-Gold. Hier greifen ebenso Finanzminister Schäuble und seine Abgeltungssteuer zu. Wer jedoch meint, schlau zu sein, könnte auf die Idee kommen und sich seinen Anteil von XETRA-Gold physisch liefern lassen. Der Verkauf dieses physischen Goldes wäre dann nach Ablauf der einjährigen Frist ebenfalls steuerfrei, mit dem kleinen Haken, dass der Emittent des XETRA-Goldes von Ihnen bei Lieferung des Golds eine nicht geringe Gebühr erhebt und Sie somit wohl nicht unbedingt die Summe der Abgeltungssteuer umgangen haben.

Murphy’s Law – deshalb sollten Sie weiterhin bei einem Gold-Investment die „direkte“ physische Variante nehmen. Schließlich haben wir mehr als Zeit, um den Goldpreis nach oben laufen zu sehen. Bei der Konjunkturangst weltweit, den riesigen Schuldenbergen und den weiterhin drohenden Staatsbankrotts sind 12-24 Monate und mehr eine recht sichere Anlegerphase bei Gold…

Take care,

Ihr
Goldfinger


3 KOMMENTARE

  1. „Würden die nötigen Strukturreformen nicht mittel- bis langfristig für eine Veränderung sorgen…“

    Schön, daß man diesen Unsinn auch hier lesen kann.

    Zum Gold: den ganzen Goldbugs sollte einfach mal klar werden, daß Gold genau dann, wenn Liquidität gefragt ist, hoffnungslos abschmiert. Ist ja schon letztes Jahr passiert. Wer kann da noch bei Gold eine Vermögenssicherung empfehlen????? Denn, wenn es auf Liquidität ankommt, ist Gold ein NO NO Thema.

    Denkt jemand eigentlich noch ökonomisch nach?

  2. @enigma
    Wenn Gold ökonomisch falsch ist, dann kannst Du ja andere Anlageformen wählen… jeder darf hierzulande ja mit seinem Geld machen, was er will… was sind denn deine Favoriten?

  3. Dass Gold eine Vermögenssicherung darstellt, sieht man derzeit an den hohen Einlagen, die vor allem die Notenbanken haben, sie dieser aber nicht großartig kommunizieren. Aber wie immer: Die Zukunft wird es zeigen 🙂

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