Earning Seasons – und die eigentlichen Probleme geraten in den Hintergrund

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Die Fußball-WM in Südafrika ist vorbei und so können wir uns nun alle wieder (leider) auf das Wesentliche als Anleger konzentrieren: Auf den Finanzmarkt und dessen weiterhin undurchschaubares Verhalten. Das Auf und Ab hat mittlerweile schon Tradition – könnte man meinen. Am Montag wurde nun die neue Berichtssaison, in den USA liebevoll als Earning Seasons bezeichnet, eingeläutet. Wie immer durch den US-Aluminium-Konzern Alcoa. Und die Jungs von Klaus Kleinfeld haben anscheinend ihre Hausaufgaben gemacht, denn der Konzern verdiente wieder Geld, nach einem Millionenverlust im zweiten Quartal des Vorjahres.

Quartalszahlen prägen nun das Tagesgeschäft

Das klingt gut die Quartalsberichterstattung wird positiv ausgehen, könnte man als Anleger gleich denken – schließlich werden die Alcoa-Zahlen immer gerne, Quartal für Quartal, als Stimmungsindikator für die gesamte Berichtserstattung für das jeweilige Quartal genommen. Doch so etwas ist gefährlich. Zum einen ist es nicht ein rationaler sondern nur ein emotionaler Faktor, zum anderen geraten Dinge aus dem Fokus, die nicht minder wichtig sind.

Ich will damit sagen: In den kommenden vier bis sechs Wochen werden an den Börsen die Quartalszahlen das Tagesgeschäft prägen und die bis dato so wichtigen Konjunkturdaten werden in den Hintergrund geraten. Ebenso die gegenwärtige Lage der Eurostaaten und deren Verschuldung. Und somit auch das Problem unserer instabilen Gemeinschaftswährung Euro.

Währungsexperten sehen weiteren Euro-Verfall

Aber nicht alle scheinen die Sache mit Griechenland, Spanien und dem Euro vergessen zu haben. Es ist gerade einmal acht Wochen her, dass wir in Europa den 500 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm, ergänzt durch 250 Mrd. Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF), aufgezogen haben. Der Euro war im Tief bei 1,18 Dollar, nun steht er (wieder) über 1,25 Dollar. „Alles richtig gemacht“, lautet hierzu das Urteil eines befreundeten Bankers von mir in den letzten Tagen. Ich dagegen sage: Der Euro wird am Ende des Jahres sicher nicht bei 1,25 Dollar stehen, sondern deutlich unter 1,20 Euro.

Und da stehe ich nicht alleine da. Bloomberg hat jüngst nicht wenige Währungsanalysten bezüglich des Euros und dessen Entwicklung befragt. Im Schnitt sehen die Experten die Gemeinschaftswährung am Jahresende bei 1,19 Dollar, rund fünf Prozent niedriger als derzeit. Hans-Günter Redeker von der BNP Paribas rechnet derweil sogar damit, dass die Euro-Notierungen bis Frühjahr 2011 unter die Dollar-Parität fallen. Das heißt, ein Euro wäre dann zum ersten Mal seit Ende November 2002 weniger als einen Greenback wert.

Konjunkturangst wird nicht geringer

Unverändert haben wir in Europa eine nicht geringer werdende Konjunkturangst. Das zeigen auch die jüngsten ZEW-Konjunkturerwartungen. „Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im Juli 2010 um 7,5 Punkte gefallen und liegen nun bei 21,2 Punkten nach 28,7 Punkten im Vormonat. Mit diesem Wert befinden sie sich unter ihrem historischen Mittelwert von 27,4 Punkten.“ So kann man es ganz nüchtern auf der Homepage des ZEWs lesen. Und weiter heißt es „…dass das Aufwärtspotential der deutschen Wirtschaft bis zum Jahresende weitgehend ausgeschöpft zu sein scheint. Ausschlaggebend für die gedämpften Erwartungen dürften auch die Schuldenkrise und die daraus resultierenden Sparmaßnahmen in verschiedenen Ländern sein“.

Jahreshöchststände am Aktienmarkt sind vorbei

In das gleiche Horn bläst übrigens auch der von mir geschätzte Marc Faber. Die Konjunkturängste seien berechtigt, sagte er jüngst in einer US-Sendung, für den Aktienmarkt geht er weiter davon aus, dass die Höchststände des Jahres 2010 bereits im April erreicht worden sind. Und nun für Sie ein ganz wichtiger Satz von Marc Faber: Für Gold sieht er weiterhin gute Chance, auch wenn der Aufwärtstrend ebenso von Korrekturen betroffen sein dürfte. An dieser Stelle kann ich wiederum nur anknüpfen und sagen: Nutzen Sie diese Korrekturen und steigen Sie bei Gold langfristig ein. Dann müssen Sie sich mit den besagten Konjunkturängsten nicht befassen und können auch die aktuelle Berichtssaison ganz ruhig angehen, da sie wissen, dass Ihr Seelen- und Renditeheil nicht von irgendwelchen Quartalszahlen abhängt

Take care,

Ihr
Goldfinger


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