Bildquelle: Pressefoto ThyssenKrupp

Noch ist die Umwandlung bei thyssenkrupp (WKN: 750000 / ISIN: DE0007500001) vom größten deutschen Stahlkonzern in ein Industrie- und Technologieunternehmen des 21. Jahrhunderts nicht abgeschlossen. Nachdem es lange Zeit so ausgesehen hatte, als sollte die Neuaufstellung nicht gelingen, scheint man nun dem Ziel aber endlich näher gekommen zu sein.

Vor einigen Jahren sah es rund um Deutschlands größten Stahlkonzern ziemlich düster aus. Die Finanzkrise, teure Abenteuer in Übersee und die Überkapazitäten auf dem europäischen Stahlmarkt machten dem Essener DAX-Konzern zu schaffen. Inzwischen hat sich die Lage jedoch deutlich aufgehellt. Am 9. September wurde der endgültige Verkauf des brasilianischen Stahlwerks CSA für 1,5 Mrd. Euro an den lateinamerikanischen Stahlhersteller Ternium vermeldet. Das Weiterverarbeitungswerk in den USA konnte thyssenkrupp bereits im Jahr 2014 erfolgreich an ein Konsortium um ArcelorMittal und Nippon Steel verkaufen.

Mit dem Verkauf konnte thyssenkrupp nicht nur die Netto-Finanzschulden weiter senken. Das „Missverständnis“ Steel Americas konnte auf diese Weise ebenfalls zu den Akten gelegt werden. Zudem wurde die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen traditionellen Stahlgeschäft deutlich verringert. thyssenkrupp erwirtschaftet nun laut eigener Aussage mehr als 75 Prozent seines Umsatzes mit profitablen Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäften. Und jetzt hat man auch noch eine Lösung für das europäische Stahlgeschäft gefunden.

Zwischenzeitlich war sogar wieder von einer so genannten „Deutschen Stahl AG“ die Rede. Am 23. August hatte das Handelsblatt berichtet, dass es Überlegungen für einen Zusammenschluss der Stahlgeschäfte von thyssenkrupp, der Stahlgruppe Georgsmarienhütte und der Salzgitter AG geben würde. Allerdings wurde daraus bekanntlich nichts. Stattdessen konnten sich thyssenkrpp und das indische Stahlunternehmen Tata Steel grundsätzlich darauf einigen, ihre Europa-Stahlaktivitäten in einem 50/50-Joint Venture zusammenzulegen. Rund eineinhalb Jahre wurde bereits verhandelt. Bis Anfang 2018 soll die Vertragsunterzeichnung erfolgen, während der Vollzug bis Ende 2018 angestrebt wird.

Das neue Unternehmen würde einen Pro-forma-Umsatz von etwa 15 Mrd. Euro erzielen und etwa 48.000 Mitarbeiter an aktuell 34 Standorten beschäftigen. Die Versandmengen des Joint Ventures würden etwa 21 Millionen Tonnen pro Jahr betragen. Man wäre die neue Nummer zwei hinter Marktführer ArcelorMittal. Die jährlichen Synergien werden bei 400 bis 600 Mio. Euro gesehen. Allerdings dürfte insbesondere vonseiten von Gewerkschaften einiges an Gegenwind drohen.

Zudem sind auch umfangreiche Stellenstreichungen zu erwarten. Dies hat das Management zuletzt jedoch nicht daran gehindert, die Neuaufstellung des Konzerns voranzutreiben. Um den finanziellen Handlungsspielraum wurde zudem eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Eine Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft um 10 Prozent spülte knapp 1,4 Mrd. Euro in die Kassen. Das Geld soll unter anderem dabei helfen, sich auf neue Geschäftsbereiche abseits des Stahlgeschäfts zu konzentrieren. Warten wir ab, wie gut die Umstrukturierung in den kommenden Jahren vonstattengehen wird.

Spekulative Anleger, die steigende Kurse der thyssenkrupp-Aktie erwarten, könnten mit einem WAVE XXL-Call der Deutschen Bank (WKN: DM5YZS / ISIN: DE000DM5YZS8) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,56, die Knock-Out-Schwelle bei 18,75 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem WAVE XXL-Put der Deutschen Bank (WKN: DM47UK / ISIN: DE000DM47UK2, aktueller Hebel 3,02; Knock-Out-Schwelle bei 31,15 Euro) auf fallende Kurse der thyssenkrupp-Aktie setzen.

Stand: 03.10.2017/ Ein Gastkommentar von Nicolai Tietze, Direktor db x-markets

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