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Die US-Notenbank beginnt ihre Bilanz zu verkleinern, die japanische Zentralbank interveniert immer weniger und die EZB wird wohl demnächst aus QE aussteigen. Ist das endlich das Ende der Krise?

Eines der besten Krisenbarometer überhaupt, die Devisenanlagen der Schweizer Nationalbank, zeigt Entspannung an. Seit dem Frühsommer sinken die Anlagen. In der Spitze erreichten sie 745 Mrd. Franken. Nun sind es immer noch an die 730 Mrd., doch es scheint, als würde die Notenbank seit drei Monaten gar nicht mehr intervenieren (Grafik 1).

Nun kann man einwenden: 15 Mrd. CHF mehr oder weniger machen den Kohl nicht fett. Das ist richtig. Man darf aber nicht vergessen, dass die SNB ihre Bilanzpositionen in Franken umrechnet. Der Franken ist gegenüber anderen Währungen, allen voran dem Euro, schwächer geworden. Zu konstanten Wechselkursen hätten sich die Anlagen wohl um 35 Mrd. reduziert.

Eine Bilanzverkleinerung von 35 Mrd. innerhalb von drei Monaten ist vergleichsweise viel. Münzt man das auf eine Wirtschaft wie die USA um, entspricht das einem Betrag von 950 Mrd. Vergleicht man den Betrag nicht mit der Wirtschaftsleistung, sondern mit der Bilanzsumme, wären es immer noch 200 Mrd. Das ist schon ein Wort.

Man durchaus sagen, dass die Flucht in sichere Häfen wie den Franken erst einmal vorbei ist. Das ist ein klares Entspannungssignal. Die Krise ist damit trotzdem noch nicht abgehakt. Die Probleme, die in Europa zur Krise geführt haben, sind größtenteils nicht behoben. Dazu gehören die überbordenden Schuldenberge, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und schwache Bankbilanzen.

Die offenen Gelschleusen der EZB haben das verdeckt und durch einen schwachen Euro konnten sich so manche Wirtschaften wieder etwas aufrappeln. Bis die Arbeitslosigkeit in diesen Ländern wieder ein Normalmaß erreicht hat, vergehen allerdings noch viele Jahre.

Ein Ende der Geldflut muss nicht automatisch eine neue Krise bedeuten. Das zeigen die USA. Es bedeutet vielmehr, dass sich die Wirtschaft lustlos dahinschleppt. Die Lage kann sich weiter verbessern, aber nur sehr langsam. Die wahren Probleme entstehen dann, wenn der nächste Abschwung kommt.

Davor haben auch Notenbanker Angst. In der Eurozone gibt die EZB bereits Vollgas. Käme währenddessen ein Abschwung, stehen plötzlich alle ratlos da. Wegen der hohen Schuldenlast ist es vollkommen illusorisch anzunehmen, dass Länder wie Spanien ihr jährliches Haushaltsdefizit wieder auf 10 % der Wirtschaftsleistung ausdehnen können. Konjunkturprogramme sind schwer umzusetzen.

Auch das muss keine Katastrophe sein. Anleger haben die Zeit von 2008 bis 2012 vor Augen, wenn sie an Rezession und Krise denken. Was wir damals erlebt haben, war ein Jahrhundertereignis. So schnell wird sich das nicht wiederholen. Trotzdem: um Staaten und Bürger wieder auf ein solides finanzielles Fundament stellen zu können, reicht der aktuelle Aufschwung nicht.

Es braucht vor allem Eines: Wachstum. Das ist Mangelware. Das liegt an fehlendem Produktivitätswachstum. Es braucht schon eine neue Erfindung in der Größenordnung der Dampfmaschine, um dieses Problem zu beseitigen. Dieser Innovationsschub wird kommen – irgendwann. Dann kann auch das Wachstum deutlich zulegen und die extremen Schuldenberge können wir hinter uns lassen.

Die akute Krise ist vorerst vorbei. Die Grundprobleme sind jedoch erst beseitigt, wenn wir wieder höhere Wachstumsraten sehen. Bis dahin wird die Wirtschaft im Aufschwung nur wenig wachsen und Rezessionen dauern wohlmöglich länger. Solange es Staaten nicht gelingt aus der Schuldenfalle herauszuwachsen, bleibt die Lage langfristig fragil.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

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