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Die Ernst Russ AG (WKN: A16107 / ISIN: DE000A161077) kommt bei ihrem Turnaround einen großen Schritt voran, wie die Zahlen zum ersten Halbjahr 2017 zeigen. Der Hamburger Asset Manager mit Schwerpunkt Schifffahrt war früher als Fondsinitiator unter dem Namen HCI bekannt und hat seit der Beinahe-Pleite eine konsequente Wandlung vollzogen. Ich hatte das Unternehmen vor einem Jahr hier vorgestellt und auf als Turnaround-Spekulation auf meine Empfehlungsliste genommen („Neuausrichtung: Ernst Russ AG (H.C.I. Capital) ist auf dem Weg zu neuen Ufern„). Nachdem der Aktienkurs um den Jahresanfang herum eine Zeit lang knapp über der Marke von 1 Euro konsolidiert hat, kennt er seitdem nur eine Richtung: nach oben. Und heute scheint er auch die Marke von 1,50 Euro zu überwinden – dank der vorgelegten Zahlen.

Halbjahresergebnis springt kräftig an
Die Umsatzerlöse für das erste Halbjahr 2017 sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 17,0 auf 20,8 Mio. Euro gestiegen, was vor allem auf den Bereich Ship Management zurückzuführen ist, der sich von 4,1 Mio. auf 8,6 Mio. Euro mehr als verdoppelt hat. Auch das Betriebsergebnis mit 2,1 Mio. Euro (H1/16: 0,6 Mio. Euro) sowie das Konzernergebnis mit 3,1 Mio. Euro (H1/16: 0,8 Mio. Euro) bestätigen diesen Trend.

Grundlage für diese erfolgreiche Entwicklung ist die konsequente strategische Neuausrichtung der Ernst Russ AG. Das frühere Schiffsfonds-Emissionshaus hatte Ende 2015 einen Kapitalschnitt und anschließende Kapitalerhöhungen durchgeführt und seine Geschäfte neu ausgerichtet hin zu einem Asset- und Investmentmanager mit maritimem Schwerpunkt. Ernst Russ betreibt eine Flotte von rund 50 Container-, Tanker- sowie Bulkschiffen, betreut weitere 180 Fondsschiffe und verwaltet als Asset-Manager Objekte u.a. aus den Bereichen Schifffahrt, Immobilien, Erneuerbare Energien und Private Equity. Nachdem man die Reedereien König & Cie und Ernst Russ übernommen hatte, erfolgte wenig später die Übernahme eines ersten Schiffsportfolios von der HSH Nordbank.

Und in diesem Bereich will Ernst Russ weiter mitmischen. Im November startete man ein Joint Venture mit dem norwegischen Finanzdienstleister Pareto, mit dem Restrukturierungsprojekte vorangetrieben werden sollen. So legt Pareto einen Fonds auf, mit dem Bestandsschiffe aus dem Markt aufgekauft werden sollen; ein auf die Eigenkapitalseite fokussiertes Projekt zunächst nicht für den deutschen Markt, sondern vor allem mit Blick auf institutionelle Investoren aus dem Ausland. Dabei wird auch die Ernst Russ AG ins Risiko gehen über Co-Investments.

Ernst-Russ-Chart: boerse-frankfurt.de

Des Weiteren ging Ernst Russ mit der Ecofin Gruppe ein Jint Venture ein und dazu gründete man die Elbe Financial Solutions. Hier werden Kreditlösungen für die schiffsfinanzierende Branchenangeboten und Investitionsprodukten für Schiffskredite und Assets entwickelt, sowie mit dem gleichen Ansatz auch Investmentlösungen im Infrastruktur- und Energiesektor. Die EFS möchte es Banken ermöglichen, ihre Schiffskredite auszulagern und dadurch ihre Bilanz zu entlasten und sie unterstützt institutionelle Anleger und spezialisierte Investmentfonds bei ihrem Engagement in diese Kreditportfolien. Die EFS bietet darüber hinaus Lösungen für die Kreditverwaltung und die Bereederung der Schiffe und bietet für den Erwerb der notleidenden Darlehen strukturierte Finanzierungen an, beispielsweise über in Luxemburg regulierte Fonds.

Mit beiden Joint Ventures verspricht man sich in einem Markt punkten zu können, aus dem sich die bisher dominierenden Banken (Commerzbank, HSH Nordbank, Nord/LB) stark zurückziehen, teilweise auch aufgrund von Vorgaben der BaFin im Umstrukturierungsprozess, mittels derer gewährte Staatshilfen zurückgezahlt werden sollen.

Des Weiteren ist man Ende 2016 bei Marenave eingestiegen und hat kürzlich seinen Anteil auf annähernd 30% erhöht. Auf der Marenave-HV setzte sich Ernst Russ durch und hat ein Sanierungskonzept torpediert, bei dem letztlich die Anteilseigner wohl weitgehend leer ausgegangen wären. Der Marenave-Aufsichtsrat wurde auf 4 Mitglieder erhöht und zwei Ernst Russ-Vertreter zogen ein, woraufhin die beiden anderen AR-Mitglieder zurücktraten. Somit werden zwei weitere AR-Mitglieder gerichtlich bestellt. Das dürften aber ER-nahe Personen werden, womit ER bei Marenave durchregieren kann. Was Ernst Russ mit Marenave vor hat, bleibt abzuwarten. Zunächst wird man Gespräche aufnehmen mit den anderen Anteilseignern und Kreditgebern, die mit ihrem einseitigen Sanierungskonzept nun gescheitert sind. Es dürfte spannend bleiben, die weitere Entwicklung bei Marenave zu beobachten.

Ausblick
„Das Management geht weiterhin davon aus, dass sich die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Ernst Russ Gruppe im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres planmäßig entwickelt und mit einem positiven Betriebsergebnis abschließt, das mindestens das Vorjahresniveau erreicht“. Dieses nicht wirklich spannend klingende Avis eine Ergebnisses auf Vorjahresniveau sollte dennoch aufhorchen lassen, denn das Ergebnis 2016 war vor allem durch Einmal- und Sonderaufwendungen aufgrund der Sanierung der der diversen Firmenübernahmen geprägt. Insofern sollte man den Blick eher auf die Entwicklung des operativen Ergebnisses richten und da kommt Ernst Russ gut voran…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / dieboersenblogger.de


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