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Krisenupdate – ein ordnender Versuch

Die Zeiten sind ja alleweil sehr turbulent. Die Aktienbörsen kennen eigentlich nur einen Weg – den nach Süden. Die Ökonomen wissen nicht so Recht was Sie raten sollen oder werden nicht gefragt. Wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob eine 2-wöchige Klausur der weltweiten Ökonomenelite wirklich was erleuchtendes hervorbingen würde. Aber einen Versuch ist es auf jedenfall Wert!
Dann schaut man auf die Politik und es wird einem ganz anders. Da wird mit der HSH eine Bank ohne Geschäftsmodell mit 3 Mrd. Euro direkt und 10 Mrd. Euro per Garantien gestützt – und dabei die geldgebenden Bundesländer an den Rand des finanziellen Kollapses gedrängt. Eine Kritik daran ist zwar vorhanden. Aber was scheren sich Politiker schon um Ratschläge, wenn diese den Verlust von Einfluss zur Folge haben.

In Berlin und Brüssel wird diskutiert was man gegen die Krise machen kann, aber mehr als eine Regulierung von Hedge Fonds und anderes Klein-Klein kommt nicht bei raus. Von zusammenbrechenden Hedge Fonds hab ich in diesen Tagen schon lange nichts mehr gehört, aber gut. Derweil kann man sich im Hintergrund ja schon wieder mit der medienwirksamen Rettung von Arbeitsplätzen befassen. Mit den von Opel geforderten 3 Mrd. Euro Bürgschaft könnte jeder der betroffenen Arbeitnehmer (Opel + Zulieferer) soviel Geld erhalten um sich zwei Jahre bezahlt in einem anderen Bereich weiterzubilden – als Lehrer beispielsweise, aber das ist jetzt schon fast polemisch. Aber solche Rechnungen sollte man lieber nicht anstellen, sonst wird einem noch schwindelig.

Apropos Lehrermangel: einen ganz anderen Mangel verzeichnet derzeit die neue US-Regierung – ja die US-Regierung, die derzeit wie verrückt kreative Ideen zur Rettung der Wirtschaft produziert.

Besonders schlimm sind die Personalengpässe in dem Ministerium, das maßgeblich für Amerikas 787-Milliarden-Dollar-Konjunkturpaket verantwortlich zeichnet: das Finanzministerium unter Timothy Geithner. Dort fehlen noch fast alle politischen Beamten: ein Vizeminister, der zuständige Beamte für das Bankenhilfsprogramm, die Top-Experten für internationale Finanzbeziehungen und das heimische Finanzsystem, der oberste Jurist.
Wie dünn die Personaldecke ist, war bei den vergangenen Auftritten von Geithner deutlich zu spüren: Als der Minister seine Pläne für eine Reform des Finanzsystems vorstellen sollte, konnte er aus Zeit- und Personalmängel dem Kongress nur vage Details anbieten. Auch als Geithner gemeinsam mit Kabinettskollegen vorige Woche einen 275 Milliarden-Dollar-Rettungsplan für klamme Hausbesitzer enthüllte, tüftelte sein Rumpfteam bis zur letzten Minute vor der Präsentation.

Na wenn das mal nicht positive Aussichten sind…

Und dabei betrifft das ganze bisher nur die Banken (und die Autobauer). Von Versicherungen ist nur am Rande die Rede. Auch wenn der Branchenführer AIG derzeit neue Rekorde schreibt. Aus Europa kommen wiederum ganz andere Töne. Man zeigt sich zu Zugeständnissen bereit, will aber irgendwie auch was vom großen (Staats-)Geld abhaben. Oder zumindest sollen die Banken nicht bevorzugt werden…das klingt wie im Kindergarten, wenn die eine Gruppe Eis gekriegt hat und die andere draussen spielen durfte…

Aber so ist das halt. Einer ist immer der Loser Bestimmer:

Ab und an sollte man trotz Karneval mal zwischendurch lachen. Auch wenn einem das Lachen eigentlich im Halse steckenbleiben sollte. Zumindest wenn man dem britischen Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson glauben schenkt. Besonders was die Erfolge der Konjunkturprogramme angeht, sollten wir seiner Ansicht nach aus der Geschichte lernen können:

Den Kongress zu bitten, 800 Milliarden in vernünftiger Weise auszugeben, ist so, als würde man eine Gruppe von Alkoholikern bitten, eine Bar vernünftig zu leiten. Ich glaube, das Paket wird kaum oder gar keinen makroökonomischen Effekt haben.

Und auf die Frage nach deren Finanzierung entgegnet er:

Billionen-Dollar-Defizite über einige Jahre werden den Schuldenberg auf eine Höhe wachsen lassen, die man seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hat. Wir erleben momentan die finanziellen Symptome eines Weltkriegs – ohne den Krieg. Wer jetzt in Regierungsanleihen investiert, tut dies in einer gefährlichen Zeit.

Als Albtraumszenario mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent sieht Ferguson eine komplette Wiederholung der Geschichte und ein Zusammenbruch der Globalisierung:

Das schlimmste Szenario wäre, wenn die Konjunkturprogramme den Finanzbedarf der Staaten so stark erhöhen, dass sie sich nur noch über die Zentralbanken finanzieren können. Die Fed druckt immer mehr Geld, der Dollar wertet ab, es gibt Streit darüber. Dann fordert die öffentliche Meinung protektionistische Maßnahmen, Zölle – es folgen Handelskriege wie in den dreißiger Jahren.

Ich könnte jetzt noch mit dem immerwährenden Thema Papiergeld anfangen, aber das wird jetzt sonst zu lange – nur kurz noch ein Verweiß auf die NZZ am Sonntag. Stattdessen zum Schluss noch ein Hinweis auf einen längeren Essay von Stephen Roach, dem Präsidenten von Morgan Stanley Asien: Dem Kapitalismus eine zweite Chance.

Tja in diesem Sinne, einen schönen Abend!


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