Deutsche Börse: Sind die Kriterien für die Indexzusammensetzung noch zeitgemäß?

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In dieser Woche hat die Deutsche Börse (WKN: 581005 / ISIN: DE0005810055) die neuen Zusammensetzungen von MDAX und SDAX per 18. September bekannt gegeben. Es sind einige spannende Veränderungen dabei, die die Frage aufwerfen: Wie zeitgemäß sind die Kriterien für die Indexzusammensetzung?

Was sich bei MDAX und SDAX ändert. Die größten Änderungen betreffen den MidCap-Index MDAX. Dort werden die Aktien von METRO (WKN: BFB001 / ISIN: DE000BFB0019) – nach der Aufspaltung des Konzerns im Juli – und Grand City Properties (WKN: A1JXCV / ISIN: LU0775917882) neu aufgenommen. Platz machen müssen: Der Baukonzern Bilfinger (WKN: 590900 / ISIN: DE0005909006) und der Küchenausrüster Rational (WKN: 701080 / ISIN: DE0007010803), die in den SDAX wechseln.

In den SDAX wiederum rücken die Immobilienaktie Aroundtown Property Holdings (WKN: A14QGA / ISIN: CY0105562116) und der Lieferdienstanbieter Delivery Hero (WKN: A2E4K4 / ISIN: DE000A2E4K43) auf. Interessant ist dabei, dass Aroundtown Property Holdings auch Aktionär bei Grand City Properties ist. Im Gegenzug müssen die Aktien von WCM (WKN: A1X3X3 / ISIN: DE000A1X3X33), Amadeus Fire (WKN: 509310 / ISIN: DE0005093108) und BayWa (WKN: 519406 / ISIN: DE0005194062) den Nebenwerteindex verlassen.

Kritik an den Bewertungskriterien. Die Entscheidung der Deutschen Börse für den Abstieg von Rational, aber auch BayWa erfolgt vorrangig aufgrund der Kategorie Orderbuchumsatz. Dass heißt, dass im Bewertungszeitraum zu wenig Aktien dieser Unternehmen gehandelt wurden. Formal mag das korrekt sein. Aber ist es auch sinnvoll so zu agieren?

Ein Nebenwert zeichnet sich ja geradezu dadurch aus, dass Handelsvolumina nicht mit Blue Chips vergleichbar sind. Dies ist auch einer Gründe, warum BayWa-Chef Klaus Josef Lutz massiv die Deutsche Börse kritisiert. In einem offenen Brief fordert er den Börsenbetreiber dazu auf, werteorientierte Unternehmensführung bei Indexanpassungen künftig zu berücksichtigen. Nach Ansicht von Lutz sollte ein Index grundsätzlich das Gesamtbild der wichtigsten Branchen in Deutschland abbilden, insbesondere weil sie die Basis der nachhaltigen Wirtschaftskraft eines Landes darstellen. Außerdem zeige die derzeitige Bewertungspraxis, dass dadurch einzelne gehypte Branchen wie zum Beispiel die Immobilienbranche überproportional vertreten sind. Dies führe erfahrungsgemäß zu hohen Volatilitäten an der Börse.

Die beliebten ETFs. Gerade vor dem Hintergrund der immer beliebteren ETFs, die die Indizes abbilden, führt die steigende Volatilität zu unnötigen Risiken und könnte Anleger nachhaltig schädigen. Auch dürfte den wenigsten Anlegern, die in ETFs investieren bekannt sein, dass Kriterien der werteorientierten Unternehmensführung bei der Indexzusammensetzung nicht berücksichtigt werden.

Lutz: „Doch Kunden, Investoren und Mitarbeiter stellen mittlerweile vermehrt Anforderungen an nicht-finanzielle Leistungsindikatoren, die auch die Nachhaltigkeit des wirtschaftlichen Handelns stark berücksichtigen. So hat die BayWa in den knapp 95 Jahren ihrer Geschichte noch nie am Ende eines Geschäftsjahres Verluste ausgewiesen. Von daher ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass Unternehmen in Indizes rücken, die über Jahre hinweg deutliche Verluste schreiben und somit Unternehmen mit kontinuierlichem Erfolg wie die BayWa AG verdrängen.“

Erfolgreiche Nebenwerte. Ohne Zweifel reagiert Lutz angesichts der Entscheidung nicht ganz ohne Eigeninteresse, aber: Erfolgreiche Nebenwerte zeichnet es eigentlich aus, wenn die Aktionärsstruktur stabil ist. Wenn also kein Aktionär die Aktie verkaufen will, weil er zufrieden ist, findet auch kein Handel statt. Das hat aber zur Folge, dass gut laufende Nebenwerte mit zufriedenen Aktionären aus den klassischen Nebenwerteindizes herausfallen.

Fazit. Es zeigt sich an den Beispielen Rational und BayWa, dass das Vertrauen auf die Indexzugehörigkeit nicht unbedingt eine gute Grundlage für eine Investmententscheidung ist. Solide Nebenwerte zeigen sich eben gerade nicht durch eine Indexzugehörigkeit aus, sondern durch die Kennzahlen wie Dividendenrendite und Gewinnkontinuität. Anleger, die sich auf einen langfristigen Vermögensaufbau fokussieren, sollten sich stets auf die Qualität der Einzeltitel konzentrieren. Dann ist am Ende egal, ob die Aktie im DAX, MDAX oder in keinem Index vertreten ist.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage

Ihre dieboersenblogger.de-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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